Wolfgang WEHNER

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RUSSLAND ABC

“Gehe nie mit dem eigenen Lied auf den Lippen in ein fremdes Kloster!”altes russisches Sprichwort

Das folgende Glossarumfasst 100 Begriffe aus den Bereichen Kultur und Landeskunde.

 

A

 

Aberglaube
Viele Russensind sehr abergläubisch – unabhängig von sozialer Herkunft, Position oderBildung. Ein Blick in russische Volksmärchen und Erzählungen macht schnell deutlich,dass Aberglaube und Mystik immer schon feste Bestandteile der russischen Kulturwaren, auch es wenn sie zu Zeiten der Sowjetunion natürlich nicht zu gebenhatte. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem damit einhergehenden Werte- undIdentitätsverlust erlebte der Glaube an höhere Kräfte, Zeichen und Wunder eineneue Blüte. Aberglaube macht auch vor dem Geschäftsleben nicht halt. So kann esschon mal vorkommen, dass ein russischer Partner eine Vertragsunterzeichnung aneinem bestimmten Tag platzen lässt, weil am Morgen auf dem Weg ins Büro eineschwarze Katze seinen Weg gekreuzt hat oder leere Flaschen vom Vortage auf demTisch stehengeblieben sind. Es kann auch sein, dass ein neues Fahrzeug mitHahnenblut bestrichen (oder von einem Geistlichen gesegnet) wird um Unglückfernzuhalten. Russische Geschäftspartner können es für wichtig erachten, voreinem größeren Projekt oder Vertragsabschluss in der Kirche eine Kerzeanzuzünden und um göttlichen Beistand und gutes Gelingen zu bitten. VermeidenSie es, einem Russen die Hand über einer Türschwelle zu reichen oder ihm einMesser zu schenken, da dies nach russischer Auffassung Unglück bringen kann.Handtaschen sollten nie auf dem Boden abgestellt werden, da der Aberglaubebesagt, dass man dann leicht ohne Geld dastehen kann.

 

Absprachen
Absprachenwerden von Russen häufiger als weniger verbindlich angesehen als von Deutschen,dem gesprochenen Wort wird ungleich geringere Bedeutung beigemessen als demgeschriebenen. Westeuropäern erscheint es oft schwierig, ihre russischenPartner zu einer klaren, verbindlichen Aussage zu bewegen. Getroffene Zusagenund Vereinbarungen (insbesondere zur prozeduralen Vorgehenseise) erweisen sichoft als wenig belastbar und werden von russischer Seite schnell revidiert. Dasmacht Russen flexibel, aber für ihre Geschäftspartner eben auch schwereinschätzbar und berechenbar. Die Gründe für dieses Verhalten sind vielfältigund nicht zuletzt historischen Ursprungs: während in Europa die Straßen schonseit den Römern nach dem Prinzip der „kürzesten Verbindung“ gebaut wurden, wares im Osten wegen der instabilen Lage (zum Beispiel aufgrund vonTatarenüberfällen aus den Weiten der eurasischen Steppe) schlicht gefährlich,immer den gleichen Weg zu nehmen. Insbesondere, wenn dieser auch noch logischzu bestimmen war. Man gewöhnte sich deshalb an, immer andere verwinkelte Wegezu wählen und das freie Feld zu meiden. Die Unsicherheit über die Zukunft wirktsich bis heute auch in anderen Bereichen aus. Russen sind es beispielsweisegewohnt, immer nur den Kernbereich eines Projektes zu planen (Grobplanung). Diekonkreten Einzelheiten werden dann je nach aktueller Lage der Dinge entschieden– frei nach dem Motto „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“. Deutsche sinddemgegenüber stärker detailorientiert (was sich nicht zuletzt in derRedewendung „der Teufel steckt im Detail“ widerspiegelt).

 

Alkohol
Der „Wodkatrinkende Russe“ gehört wohl noch immer zu den hartnäckigsten Stereotypen überRussland. Entsprechend einer WHO-Studie zum Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkoholsbelegt Russland mit 15,8 Liter pro Jahr Platz 3 im europäischen Vergleich.Deutschland landet mit 12,8 Litern auf Platz 19[1]. Auch wenn der Alkoholismus noch immerein ernstes soziales Problem in Russland ist - im modernen Geschäftsleben istfür den Alkoholmissbrauch früherer Jahre heute kein Platz mehr. Geschäftsleuteund Führungskräfte der jüngeren Generation bemühen sich, dem negativen Imageihres Landes in Bezug auf den Alkoholkonsum aktiv entgegenzuwirken. Bei einemBusiness-Lunch trinkt man ein Bier, ein Glas Wein, oder auch einen Wodka zurVerdauung - dann wird zur Tagesordnung übergegangen. Bei Geschäftsessen, die außerhalb derüblichen Bürozeiten stattfinden (und erst recht bei einer privaten Einladung zueinem gemeinsamen Wochenende auf der Datscha) wird allerdings deutlich mehrAlkohol konsumiert. Auch ist der Alkoholgenuss in der Provinz und intraditionellen Unternehmen deutlich stärker ausgeprägt als in den urbanenBallungszentren oder in jungen Start-up Unternehmen.

 

Alphabet
Im Jahre 863machten sich die Mönche Konstantinos (später Kyrill genannt) und Michael(später Method) auf Befehl des Zaren Michael von Bulgarien daran, mehrereKirchenbücher aus dem Griechischen ins Altslawische zu übersetzen. Zu diesemZweck entwickelten die Brüder eine neue Schrift, die für die slawischenSprachen und deren Laute geeignet war. Die meisten Buchstaben wurden aus demgriechischen Alphabet übernommen oder abgeleitet. Für Laute, die imGriechischen nicht vorkamen, wurden Zeichen aus der glagolitischen Schrift(Glagoliza) übernommen. Diese Schrift bestand anfangs aus 43 Buchstaben, wovon24 Buchstaben aus der griechischen Unzialschrift entnommen wurden. Kliment vonOhrid, ein Schüler Konstantinos entwickelte die Schrift weiter. Zu Ehren vonKyrillos wurde sie Kyrilliza genannt. Die Urheberschaft des kyrillischenAlphabets ist jedoch bis heute Gegenstand akademischer Diskussionen. ZumGedenken an Kyrill und Method begeht Russland den 24. Mai als Tag desslawischen Schrifttums und der slawischen Kultur.

Die alte kyrillischeSchrift wurde um 1700 durch den russische Zaren Peter den Großen (1672-1725)umgestaltet und vereinfacht. Weitere 4 Buchstaben wurden 1917 entfernt. In densowjetischen nichtslawischen Teilrepubliken wurde ab 1917 die kyrillischeSchrift eingeführt. Ab 1990 erfolgte dann, durch die Unabhängigkeit derTeilrepubliken, größtenteils die Wiederherstellung der ursprünglichenSchriften. Die im modernen Russisch gebrauchte kyrillische Schrift hat 33Zeichen.

Allein imeuropäischen Teil der GUS benutzen mehr als 200 Mio. Menschendas kyrillische Alphabet. Heute werden Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch,Bulgarisch, Serbisch und Mazedonisch mit kyrillischen Zeichen geschrieben. DieAlphabete der einzelnen Sprachen sind im wesentlichen gleich und unterscheidensich nur durch einige wenige Zeichen; ähnlich wie auch in der lateinischenSchrift manche Sprachen Sonderzeichen eingeführt haben, z.B. die deutschenUmlaute. Wie bei der lateinischen Schrift gibt es eine Druckschrift und eineSchreibschrift.

Grundkenntnisse deskyrillischen Alphabets erleichtern die Orientierung im Lande außerordentlich -auch wenn man nicht Russisch spricht.

 

Amtssprache
Russisch istdie offizielle Sprache von 143 Millionen Einwohnern der Russischen Föderation.Darüber hinaus beherrschen rund 70 Millionen Menschen (größtenteils in denRepubliken der GUS) Russisch als Zweitsprache. Man schätzt, dass es weltweitca. 10 Millionen Russisch-Lernende gibt, wobei sich diese Zahl seit der Wendein Osteuropa halbiert hat. Russisch gehört gemeinsam mit Weißrussisch undUkrainisch zur ostslawischen Sprachengruppe, die sich im 10. Jahrhundert ausdem Gemeinslawischen herauskristallisiert hat. Es basiert auf dem kyrillischenAlphabet. In Russland werden ca. 100 verschiedene Sprachen gesprochen, die denverschiedensten Sprachfamilien angehören. Amtssprache ist Russisch. In den 21autonomen Republiken gelten die Sprachen der Titularvölker ebenfalls alsAmtssprachen.

 

Anrede
Russische Namenbestehen aus drei Teilen: dem Vornamen, dem Vatersnamen (also einer Ableitungvom Vornamen des Vaters, die man mit „Sohn des…“ bzw. „Tochter des…“ übersetzenkann) und dem Familiennamen. Moderne Russen verzichten oft auf die Nennung desVatersnamens, insbesondere, wenn sie Englisch oder Deutsch sprechen. RussischeFamiliennamen von Frauen enden auf –a (z.B. Herr Iwanow, aber Frau Iwanówa).Russische Vatersnamen von Frauen erhalten die Endung –owna (z.B. Fjódorowna,abgeleitet von Fjodor), während Vatersnamen von Männern die Endung –owitscherhalten (z.B. Fjodorowitsch, ebenfalls abgeleitet von Fjodor). Die offizielleForm der Anrede besteht aus Vor- und Vatersnamen (also z.B. Maria Fjódorownaoder Nikolai Fjódorowitsch). Schwiegereltern werden häufig mit „Sie“ angeredet.Bis ins 19. Jahrhundert hinein durfte nach den damals in Russland geltendenGesetzen nur der Adel den vollen Namen führen, die Nennung mit Vor- undVatersnamen war gleichbedeutend mit der Zugehörigkeit zum Adelsstand.

Bei Erstkontakten mitausländischen Geschäftspartnern setzt sich mehr und mehr auch die WendungGospodín Iwanów (Herr Iwanów) oder Gospozhá Iwanówa (Frau Iwanówa) durch. ImUmgang mit ausländischen Partnern verzichten viele Russen zunehmend auf dieNennung ihres Vatersnamens. Ist die Kennlernphase abgeschlossen, redet man sichhäufig auch mit „Sie“ (Wy) + Vornamen an (wie im Englischen). Im Arbeitslebenist es oft üblich, dass eine Führungskraft ihre Mitarbeiter duzt und mit demVornamen anspricht, während die Mitarbeiter ihre Vorgesetzten siezen und dieförmliche Anrede verwenden.

Achtung: von denmeisten russischen Vornamen gibt es Koseformen (z.B. Mascha für Maria, Daschafür Darja, Natascha für Natalja, Ira für Irina, Kolja für Nikolai, Dima fürDmitrij, Sascha für Alexander etc.). Diese haben im Geschäfts- undArbeitsalltag nichts verloren – ihre Benutzung ist engen Freunden undFamilienangehörigen vorbehalten.

 

Arbitragegericht

Bei der Vereinbarungdes Gerichtsstandes in Verträgen trifft man häufig auf die Bezeichnung„Arbitragegericht“ (russ. arbitrázhnij sud). Diese Bezeichnung ist allerdingsirreführend, da es sich dabei nicht – wie die Übersetzung ins Deutsche vermutenlässt – um ein nicht-staatliches Schiedsgericht handelt, sondern um ebenfallsum Organe der staatlichen Gerichtsbarkeit, vergleichbar mit Wirtschafts- oderHandelsgerichten. Sie sind für Streitigkeiten aus den Bereichen, Handel,unternehmerische Tätigkeit und Verwaltung (etwa bei Streitigkeiten mit denSteuerbehörden) zuständig. Ordentliche Gerichte sind für alle zivil- undstrafrechtlichen Fälle sowie für arbeitsrechtliche Streitigkeiten zuständig.Entscheidungen von russischen oder ausländischen Schiedsgerichten müssen voneinem ordentlichen russischen Gericht bestätigt werden, um in Russlandvollstreckt werden zu können. Eine unmittelbare Exekution gegen einenrussischen Beklagten ist nur aufgrundlage des Urteils eines russischenArbitragegerichts oder eines ordentlichen russischen Gerichts möglich. Bei derVereinbarung und Übersetzung von Klauseln zum Schiedsgerichts- oderGerichtsstand ist unbedingt auf die korrekte Bezeichnung des Gerichts zuachten.

 

Augenhöhe
Wie Vertreterjeder anderen Kultur auch, werden russische Geschäftsleute immer auf„Augenhöhe“ mit Ihnen verhandeln. Neben dem Interesse am Partner, seinemUnternehmen und Projekt, sowie gegenseitigem Respekt und Authentizität spieltdie formale Position der Geschäftspartner dabei eine sehr große Rolle: einGeschäftsführer wird nur mit einem Geschäftsführer, ein Chefingenieur mit einemChefingenieur, ein Jurist mit einem Juristen etc. verhandeln. Dieunterschiedliche Wirtschafts-, Unternehmens- und Personalstruktur in Deutschlandund Russland kann das Prinzip der Augenhöhe manchmal zu einer kniffligenHerausforderung machen – etwa wenn ein mit allen Vollmachten ausgestatteterVertriebsleiter eines deutschen Mittelstandsunternehmens versucht in RusslandNeukunden zu akquirieren: wendet er sich an den leitenden Einkäufer impotenziellen Kundenunternehmen, wird er u.U. scheitern, da dieser vieleEntscheidungen nur nach Rücksprache mit und Billigung durch den Geschäftsführertrifft. Wendet er sich jedoch direkt an den Generaldirektor, wird dieser denKontaktversuch u.U. „im Sande verlaufen lassen“, da er/sie das Prinzip derAugenhöhe verletzt sieht. Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist es, sich eines„Türöffners“ (Kontaktanbahnung durch eine vom potenziellen Kunden geachtete Referenzperson)zu bedienen bzw. den Erstkontakt im Rahmen von Messen oder Symposien mit demGeschäftsführer persönlich herzustellen.

 

Ausländer
DerVielvölkerstaat Russland ist heute (ungeachtet des Zerfalls der Sowjetunion unddes Massenexodus‘ der Russlanddeutschen in den 90er Jahren) nach den USA daszweitgrößte Einwanderungsland der Welt. Mehr als 90% der Einwanderer kamen undkommen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, weitere Herkunftsländer vonEinwanderern sind die Mongolei, einige arabische sowie einige afrikanischeStaaten. Die Einstellung zu Ausländern im modernen Russland ist äußerstambivalent – sie reicht von Unvoreingenommenheit, ehrlichem Interesse,Bewunderung (zuweilen gepaart mit Neid) über Gleichgültigkeit und versteckteIntoleranz bis hin zu offener Ausländerfeindlichkeit, Rechtsradikalismus undRassismus. Zunehmender Ultranationalismus und Antisemitismus geben Anlass zurSorge. Die Einstellung zu Deutschland und den Deutschen ist dagegen überwiegendpositiv – sowohl bei der älteren Generation (was angesichts des ZweitenWeltkrieges alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist) als auch beiJüngeren. Da Deutschland nach China der zweitgrößte Handelspartner Russlandsist, nehmen die direkten Kontakte zwischen Russen und ihren deutschen Geschäftspartnernvon Jahr zu Jahr zu. Ca. 6.500 deutsche Unternehmen sind gegenwärtig mitTochterfirmen und Repräsentanzen auf dem russischen Markt tätig[2].

 

B

 

Báksy
Der Begriff isteine Entlehnung aus dem Englischen. „Buck“ (abgeleitet von „buckskin“,Wildlederfell). Er bezeichnete in den amerikanischen Gründerjahren ein gängigesZahlungsmittel. Im Russischen wird der Begriff báksy (beziehungsweise beiZahlen über 5 im Genitiv Plural báksow) als umgangssprachliches Synonym für denUS Dollar verwendet.

 

Bánja
Dertraditionelle russische Ort um Geschäfte zu machen. Der Besuch einer Banjabeinhaltet einen ritualisierten Marathon aus Saunieren, Essen, Trinken undRelaxen. Er fördert die Glaubwürdigkeit der Partner und „ölt“ die Räderzukünftiger Geschäftsbeziehungen. Nach dem Saunabesuch wünscht man sich„Leichten Dampf!“ (S ljóchkim párom!). Schätzen Sie ihr Leistungsvermögen reellein. Die Abfolge beim Saunabesuch ist für Westeuropäer gewöhnungsbedürftig underfordert eine gewisse Anpassungsleistung. Das wichtigste Kleidungsstück ineiner traditionellen russischen Bánja ist übrigens die Kopfbedeckung.Temperaturen um 110 Grad Celsius erträgt unsere empfindliche Kopfhaut besser,wenn sie mit einem Filzhütchen geschützt ist. Sie sollten auch auf dasVergnügen, mit Reisern (wéniki) in der Sauna abgeklopft zu werden, nichtverzichten. Für einen Außenstehenden sieht das zwar ziemlich martialisch aus,ist aber zu ertragen. Hinterher fühlen Sie sich dafür wie neugeboren!

Übrigens:Familiensaunen sind in Russland undenkbar (Russen die geschäftlich oder privatnach Deutschland kommen sind beim ersten Mal gewöhnlich schockiert von der„Freizügigkeit“, die in öffentlichen Saunen in Deutschland herrscht.

 

Begrüßung
Die üblicheBegrüßung im Geschäftsleben ist der Händedruck. Geben Sie jedoch nie jemandemdie Hand über die Türschwelle, denn nach russischem Verständnis bring diesUnglück.

 Achtung: VonFrauen wird erwartet, dass sie selbst die Initiative zum Händedruck ergreifen(falls nicht, kann es geschehen, dass der russische – männliche –Geschäftspartner die anwesenden Frauen nur mit einem kurzen Blick oder Nickenbegrüßt. Die Damen täten ihm Unrecht, wenn sie ihn deswegen mangelnderKinderstube oder übersteigerter Macho-Allüren bezichtigten. Entsprechend derrussischen Etikette wird von einem Mann erwartet, sich unbekannten Frauengegenüber zurückhaltend zu verhalten). Männer der älteren Generationpraktizieren bei der Begrüßung einer Dame hin und wieder auch noch denHandkuss. Besteht eine Geschäftsbeziehung bereits länger, kann die Begrüßungauch mal etwas emotionaler ausfallen – eine herzliche Umarmung oder denAustausch von (drei!) angedeuteten Wangenküssen eingeschlossen.

 

Beziehungen
Die zwischenmenschlichenBeziehungen spielen im russischen Geschäftsleben eine große Rolle. Begegnen Sieihrem Partner immer auf „Augenhöhe“; bauen Sie gute Beziehungen durch Offenheitund solide Verhandlungsführung auf. Achten Sie auf Zwischentöne. Ein russischesSprichwort lautet: „Gehe niemals mit dem eigenen Statut in ein fremdesKloster“.

Die russische Kulturgehört zu den beziehungs- und personenorientierten Kulturen. Das gilt auch fürdas Arbeits- und Geschäftsleben. Erst der Aufbau guter persönlicher Beziehungsnetzwerkeschafft die Basis für eine stabile geschäftliche Zusammenarbeit. Die Grenzezwischen konstruktiven, vertrauensvollen persönlichen Beziehungen undVetternwirtschaft, z.B. bei der Auftragsvergabe oder bei Stellenbesetzungen istdabei oft fließend. Es ist üblich und wird erwartet, sich gegenseitig „kleine“Gefälligkeiten zu erweisen. Die deutsche Arbeits- und Geschäftskultur istdagegen stärker aufgaben- und prozessorientiert. Dementsprechend kommt es inder (geplanten) Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischenGeschäftspartnern oft zu unterschiedlichen Bewertungen der Erwartungen,Herangehensweisen und des Kommunikationsstils der jeweils anderen Seite sowiezu Missverständnissen (etwa darüber wie zügig man „zur Sache“ kommen sollte).Machen Sie sich und ihrem Partner diese Unterschiede bewusst, um sie positiv inder Zusammenarbeit zu nutzen und Vorurteile und Vertrauensverlust zu vermeiden.Sollte eine Bitte um eine „kleine Gefälligkeit“ an Sie herangetragen werden,die über das Maß dessen hinausgeht, was Sie zu tun imstande oder bereit sind,so sollten Sie ein vertrauliches Vieraugengespräch mit Ihrem Partner suchen,ihm Ihren Standpunkt taktvoll erklären und ihm – falls möglich – einenKompromissvorschlag bezüglich seiner Bitte unterbreiten.

 

Buchhalter/Buchhaltung
Die russischeBuchhaltung ist stark durch das Prinzip „Form over Substance“ gekennzeichnet.Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Körperschaftsteuererklärung sowie diemeisten anderen Steuererklärungen müssen nicht jährlich, sondern quartalsweiseerstellt werden. Insgesamt sind es pro Quartal etwa 15 Berichte. Zum 01.01.2013trat das neue, föderale Buchhaltungsgesetz[3] in Kraft. Es schreibt für allejuristischen Personen (mit Ausnahme von Einzelunternehmern) einen Buchhalterzwingend vor. Die Buchhaltungspflicht erfasst auch Unternehmen, die das Systemder vereinfachten Unternehmensbesteuerung anwenden. Unternehmen können dieBuchhaltung aber auch an einen externen Dienstleister abgeben. Die Bücher sindauf der Basis gesetzlich vorgegebener Formblätter zu erstellen. Vertretungenausländischer Gesellschaften brauchen keine handelsrechtlichen Bücher zuführen, sofern sie eine steuerliche Buchhaltung aufweisen. Das Gesetz siehtkeine verbindliche Form mehr für die Erfassung von Belegen vor. Erstmals werdendie Qualifikationsanforderungen an Buchalter gesetzlich geregelt. RussischeBuchhalter haben häufig das Steuerrecht stärker im Blickwinkel als die 25existierenden russischen Rechnungslegungsstandards.

 

Bürokratie
Bedenken Sie,dass die russische Bürokratie oft als die „älteste Tochter der deutschenBürokratie“ bezeichnet wird. (Dieser Ausspruch bezieht sich auf Peter denGroßen, der Russland im 18. Jahrhundert von Grund auf erneuerte, „das Fensternach Europa“ aufstieß und neben vielem Fortschrittlichen auch diewesteuropäische Bürokratie nach Russland brachte). Allen Verwaltungsreformenzum Trotz ist die Zahl der Beamten in Russland seit Putins Amtsantritt offiziellum 60% gestiegen. Während es in der UdSSR mit 250 Millionen Einwohnern ca. 2,5Millionen Beamte gab, sind es heute in Russland (mit 141 Millionen Einwohnern)ca. 6 Millionen[4]. Zum Vergleich: in Deutschland gab es2010 etwa 2 Millionen Beamte[5]).Die ausufernde, ineffiziente und durch keine Verwaltungsgerichtsbarkeiteingeschränkte russische Bürokratie ist legendär und wurde schon lange als einwesentliches Modernisierungs- und Entwicklungshemmnis identifiziert.

Insbesondere bei derErlangung von Genehmigungen und Erlaubnissen (etwa einer Baugenehmigung, oderder Genehmigung für einen gewerblichen Strom- oder Gasanschluss) sind diebürokratischen Hürden noch immer hoch, zeitraubend und damit kostspielig. Immerwenn der Antragsteller glaubt, allen gesetzlichen Anforderungen zu genügen,treten zusätzliche Erfordernisse zutage (ähnlich wie bei der traditionellenrussischen Steckpuppe Matrjoschka). Hinzu kommt, dass man nie schwarz auf weißvorgelegt bekommt, was gesetzliche Standards sind und was wünschenswert, abernicht verbindlich ist. Versucht ein Unternehmen, gesetzestreu zu agieren undallen Anforderungen Rechnung zu tragen, kommt es aufgrund des unvertretbarenZeitaufwands früher oder später an seine Grenzen (von den Kosten ganz zuschweigen). Die eigentliche Geschäftstätigkeit scheint zur Nebensache zuwerden. Ignoriert es jedoch einige dieser Anforderungen (nicht selten aufAnraten ehemaliger staatlicher Inspektoren, die nun als „zertifizierteExperten“ tätig sind), muss es bei staatlichen Kontrollen mit Strafzahlungenrechnen und wird somit zur leichten Beute für korrupte Beamte. Das Russischehat für diese Form ausufernder Bürokratie und „staatlicher Abzocke“ eineneigenen Begriff entwickelt (gosudárstwennyj réket).

Durch das Fehleneiner Verwaltungsgerichtsbarkeit sind Beamtenentscheidungen beliebiger Art nurüber die Zivilgerichte anfechtar. Die zahllosen Verwaltungsreformen der letztenJahre sollten hier Abhilfe schaffen. Anders als in Deutschland, kennt dierussische Bürokratie die Probleme der Wirtschaft oft aus eigener Erfahrung –viele Beamte haben Familienangehörige, die als Unternehmer tätig sind oder sindindirekt selbst an Unternehmen beteiligt.

 

Businessplan
Durch russischeConsultingfirmen ausgearbeitete Geschäftspläne sehen häufig gut aus, enthaltendie letzten Erkenntnisse der modernen Betriebswirtschaft, sind mit vielen (mehroder weniger relevanten) Daten gespickt, aber wegen ihres Umfanges und desMangels an klarer Fokussierung nicht immer geeignet, das Interesse möglicherGeschäftspartner zu wecken. Nach russischem Verständnis haben Businessplänehäufig nur den Zweck, einen Investor zu finden oder einen Bankkredit bewilligtzu bekommen. Sie werden dagegen selten als internes Steuerungsinstrumentgenutzt. Eine verbreitete Meinung in Russland ist, dass (strategische)Geschäftspläne häufig das Papier nicht wert seien auf dem sie geschrieben sind.Die mit dem Zusammenbruch der UdSSR völlig diskreditierten Fünfjahrpläne derPlanwirtschaft und die Wirtschaftskrisen der Übergangszeit haben dazubeigetragen, dass strategischer Unternehmensplanung im Allgemeinen ein geringerStellenwert beigemessen wird. Es gibt bis heute nur wenige Großunternehmen(z.B. im Rohstoff- und Telekommunikationssektor), die über langfristigestrategische Geschäftspläne verfügen.

 

C

 

Chef
DerGeschäftsführer (Generaldirektor) ist die uneingeschränkte obersteAutorität eines Unternehmens. Aufgrund des vorherrschenden Hierarchie- undFührungsverständnisses wird von ihm/ihr erwartet alle wichtigen (auchoperativen) Entscheidungen selbst zu treffen bzw. diese zumindest explizit zuautorisieren. Es gehört noch immer zum Selbstverständnis vieler russischerFührungskräfte auf keinen Fall die Kontrolle über irgendein Detail abzugeben.An freiere Arbeitsbeziehungen mit Kompetenzen und Verantwortungen, müssen sichviele Russen erst langsam gewöhnen. Auch wenn Verantwortungsbereiche und Entscheidungskompetenzenin Stellenbeschreibungen heute stärker als noch vor einigen Jahren definiertwerden, schöpfen viele Mitarbeiter (einschließlich Führungskräfte im mittlerenManagement) die ihnen eingeräumten Handlungsspielräume nur ungern aus undtendieren zur „Rückversicherung“ beim Vorgesetzten. Die Autorität vonFührungskräften beruht in erster Linie auf ihrer fachlichen Kompetenz undBranchenerfahrung, weniger auf sozialer oder methodischer Kompetenz.

 

D

 

Dátscha
Wochenend- undSommerhaus einer russischen Familie, welches oft den ganzen Sommer über sowieim Winter über die Feiertage bewohnt wird. Die Wochenendhäuser, die in einigenGegenden Deutschlands gern als „Datschen“ bezeichnet werden, sind in Bezug aufihre Größe verglichen mit den russischen Datschen nur „Hundehütten“. Zu einertraditionellen Dátscha gehört unbedingt eine Sauna. Der Wochenendausflug zurDatsche ist für viele Familien ein festes Ritual. Nicht selten bedeutet erjedoch einen stundenlangen Hin-und Rückreiseweg und kilometerlange Staus, dasich die Datschen aufgrund der Entfernungen in Russland oft 100 km oder mehrvom Hauptwohnsitz der Familie befinden.

 

Djed moróz

Väterchen Frost.Anders als seine Kollegen Weihnachtsmann und Santa Claus, ist Djed moróz nichtimmer in roter Kleidung unterwegs, sondern häufig auch in blau-weißer Tracht.Dazu trägt er eine typische Pelzmütze und wálenki (traditionelle russischeFilzstiefel). Die obligatorischen Geschenke bringt er in der Neujahrsnacht (am31. Dezember). Diese werden, wie anderswo auch, unter dem Weihnachtsbaumdeponiert. Sein Transportmittel ist eine Trojka – ein Dreiergespann aus weißenPferden (oder Rentieren). Heimat von Djed moróz ist Welíkij Ustjúg (im GebietWologda, etwa 950 km nordöstlich von Moskau), wo es seit 1999 ein Weihnachtspostamtgibt. Seitdem pilgern jährlich 100.000 russische Touristen in die alterussische Handelsstadt. Seit 2005 hat Djed moróz auch einen Zweitwohnsitz inMoskau – an beiden Adressen nimmt er die Briefe und virtuellen Wunschzettel derKinder entgegen (allerdings nur auf Russisch). Anders als seine westlichenKollegen hat Djed moróz auch Personal: Snjegúrotschka (Schneeflöckchen) seineEnkelin und Assistentin sowie als „freier Mitarbeiter“ einen kleinen Jungennamens Nówyj god (Neujahr).

 

Dress Code

Bei der Bekleidungsind die Russen eher konservativ eingestellt. Abgesehen von jüngeren Leuten,die sich bereits westlich kleiden, wird sich meist unauffällig angezogen (dasgilt zumindest für Männer). Mehr als in Mitteleuropa wird Wert auf eingepflegtes Äußeres und eine gute Qualität der Kleidung gelegt. Frauenbevorzugen einen betont weiblichen Stil, der von Westeuropäern teilweise alssehr elegant, teilweise aber auch als unpassend, überzogen oder gar „billig“wahrgenommen wird. Kurze Hosen bei Männern im Sommer gelten als „unmännlich. Injedem Fall sollte die Kleidung der Reisezeit und der Region angepasst werden,im Winter sollte man in Moskau mit Temperaturen bis –25°C, in Sibirien bis–50°C rechnen. Da russische Geschäftsleute im Allgemeinen über ein ausgeprägtesStatusdenken verfügen, wird großer Wert auf formelle Kleidung gelegt. Um alsVerhandlungspartner ernst genommen zu werden, sollte man ebenbürtig erscheinen.

 

E

 

Eisenbahn
Die russischeEisenbahn hat einen guten Ruf. Das russische Bahnnetz umfasst ca. 220.000 kmSchienenkilometer. Die Eisenbahn fährt zwar - mit Ausnahme des Sapsán - nichtschnell (so um die 60-70 km/h), aber sie ist sehr pünktlich. Sofern Sie ineinem Waggon der Klassen Coupé (kupé) oder Lux (ljuks) reisen, sind dieZugabteile sehr bequem und sauber. Vor Plätzen in sogenanntenGemeinschaftswagen (obschtschij wagón) sollten Sie allerdings Abstand nehmen –dabei handelt es sich um abteillose Liegewagen, die selbst ein Minimum anPrivatheit missen lassen. Fahrkarten für Fernreisezüge werden grundsätzlichgegen Vorlage des Reisepasses, personenbezogen und auf einen bestimmten Zug undPlatz verkauft. Fahrkarten können entweder direkt an den Bahnhöfen, über dieWebsite der Russischen Eisenbahnen oder bei Reisebüros erworben werden. BeimEinsteigen in Fernreisezüge kontrolliert das freundliche Personal Pass und dieFahrkarte, im Abteil haben Sie viele Möglichkeiten zum Verstauen Ihres Gepäcks.Während der gesamten Fahrt werden Sie im Speisewagen oder direkt vom Schaffnerversorgt. Die Fahrscheine werden eingesammelt und nach dem Wecken am nächstenMorgen wieder an die Fahrgäste zurückgegeben. Für grenzüberschreitende Züge,die innerhalb der GUS (und insbesondere mit den südlichen ehemaligenSowjetrepubliken) verkehren, trifft das Gesagte aber eher nicht zu.

Für Gütertransportemit Entfernungen von über 1.000 km ist die russische Eisenbahn das wichtigsteBeförderungsmittel. Schienentransporte werden auch bei widrigstenWitterungsbedingungen zuverlässig abgewickelt. Allerdings sind die in staatlicherHand befindlichen „Russischen Eisenbahnen“ (Rossíjskije zheléznyje dorógi) einMonopolunternehmen so dass Beförderungszuverlässigkeit und –preise imSchienenverkehr ohne Alternative sind. Hemmend für die Effizienz vonSchienentransporten ist außerdem die von der europäischen Normalspurabweichende Spurbreite der russischen Eisenbahn, die ein Umladen bzw. Umspurenauf Breitspurnetz an der Grenze erforderlich macht.

Die russischeEisenbahn entstand im Zarenreich des 19. Jahrhunderts. Die erfolglose InvasionNapoleons und der verlorene Krimkrieg waren noch nicht vergessen. Daher wählteman eine Spurweite von 1.524 mm (5 Zoll), die sich von der im restlichen Europaverwendeten unterscheidet. Damit sollte verhindert werden, dass das russischeSchienennetz bei einer Eroberung verwendet werden kann. Der kleine Unterschiedvon nur 89 mm erwies sich jedoch mehr als ein wirtschaftlicher und technischerNachteil und kaum als eine wirklich wirksame Verteidigungsmaßnahme. DieVermutung, russische Ingenieure haben nach der Rückkehr aus England Außen- undInnenmaß verwechselt, ist aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

 

F

 

Facharbeiter
Facharbeitersind in Russland absolute Mangelware. Im gewerblich-technischen Bereich gibt esnur wenige gut qualifizierte und motivierte Arbeiter. Tätigkeiten in derFertigung oder im Handwerk galten und gelten noch immer als wenig achtbareBerufe (wer etwas auf sich hält, studiert). Eine berufspraktische Ausbildung inden Betrieben findet nicht oder nur in geringem Umfange statt.Ausbildungsprogramme bedürfen der Akkreditierung durch die Bildungsministeriender Gebietsverwaltungen. Mit wenigen Ausnahmen ist die russischeBerufsausbildung noch immer praxisfern; sie vermittelt oft überholtes Wissen.Zur eigentlichen Wertschöpfung stehen den Unternehmen daher nur wenige, zumTeil schlecht motivierte Arbeitskräfte zur Verfügung. Mehr und mehr westlicheUnternehmen gehen deshalb dazu über selbst Mitarbeiter auszubilden oder dies inKooperation mit ausgewählten russischen Berufsschulen (Colleges) undUniversitäten zu tun.

 

Familie
Die Familie hateinen hohen Stellenwert im russischen Wertesystem. Sie ist eine wichtige Bezugsgruppe,man lebt in jeder Beziehung eng zusammen. Noch immer wohnen oft mehrereGenerationen unter einem Dach (oder in unmittelbarer örtlicher Nähe). DieGroßmutter hat in solchen Familien oft die Rolle des „Finanzministers“ inne.Die Familie unterstützt sich finanziell und hilft einander bei Jobsuche,Kinderbetreuung, der Finanzierung größerer Anschaffungen und bei derSeniorenpflege. Enge Familienbande sind häufig ein Grund für die geringeberufliche Mobilität vieler Russen.

 

Fatalismus
Schicksalsergebenheit(gepaart mit ausgeprägter Leidensfähigkeit) und der Glaube an den Einflusshöherer Mächte auf das Leben jedes Einzelnen sind ein markantes Merkmalrussischer Mentalität. Die Dinge werden genommen, wie sie kommen, beiMisserfolgen und Niederlagen wird eher nach einem (externen) Schuldigen gesuchtoder das Schicksal verantwortlich gemacht als über eigene Fehler undVersäumnisse zu reflektieren und handlungsbezogene Schlussfolgerungen zuziehen.

 

Flexibilität
Russen haltensich selbst für sehr flexibel (und sind es in der Tat). Im Zuge desZusammenbruchs der Sowjetunion und des anschließenden Transformationsprozesseswurde ihneneine gewaltige Anpassungsleistung abverlangt. Trotz langer Jahre, die geprägtwaren von politischer Instabilität, Wirtschaftskrisen, dem Zusammenbruch dersozialen Sicherungssysteme und dem Verlust tradierter Werte, gelang es vielenRussen sich erfolgreich an die veränderten Bedingungen anzupassen und sich eineneue Lebensperspektive aufzubauen. Flexibilität kann nach russischemVerständnis jedoch auch bedeuten radikale (zuweilen impulsive) Entscheidungenzu treffen, strategische Überlegungen leichtfertig über Bord zu werfen, wennein kurzfristiger Vorteil oder Gewinn winken, bei der Lösung technischerProbleme zu improvisieren, anstatt nach einer nachhaltigen Lösung zu suchensowie klare Prioritäten und verbindliche Vereinbarungen zu meiden, um sichmöglichst viele Alternativen offen zu halten. Russen werfen ihrenwesteuropäischen (und insbesondere ihren deutschen) Geschäftspartnern häufigeinen Mangel an Flexibilität vor.

 

Fremdsprachenkenntnisse
DieFremdsprachenkenntnisse junger Russen werden zunehmend besser. Allerdingsbeherrschen außerhalb der urbanen Ballungszentren noch immer nur relativ wenigeRussen Fremdsprachen. In den allermeisten Industrieunternehmen – insbesondereaußerhalb der größten Städte – wird (ebenso wie in der öffentlichen Verwaltung)noch immer ausschließlich Russisch gesprochen. Erste Fremdsprache ist Englisch.An russischen Schulen der Sekundarstufe sowie an Hochschulen wird nur eineFremdsprache als Pflichtfach gelehrt, in berufsbildendenAusbildungseinrichtungen gibt es häufig überhaupt keinenFremdsprachenunterricht. Deutsch nimmt den zweiten Platz in der Liste derpopulärsten Fremdsprachen ein, ist aber tendenziell im Rückgang begriffen.Gegenwärtig gibt es etwa 2 Millionen Deutsch Lernende in Russland[6].In Deutschland belegt Russisch den fünften Platz in der Liste der beliebtestenFremdsprachen - allerdings lernen nur ca. 3% der Schüler allgemeinbildenderSchulen in Deutschland Russisch. Behördenmitarbeiter der mittleren und unterenVerwaltungsebene beherrschen kaum Fremdsprachen.

 

G

 

Gastfreundschaft
Die russische Gastfreundschafthat eine lange Tradition und ist weltberühmt. Zu Recht prägt sie maßgeblich dasBild, das Ausländer vonRussland und der russischen Kultur haben. Gäste genießen den besonderen Respektund die Fürsorge des Gastgebers. Nach altem russischem Brauch wird ein Gast mitBrot und Salz (chlebosól’je) begrüßt. Die Gastfreundschaft gebietet es, denGast reich zu bewirten und ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Selbst inZeiten eigener wirtschaftlicher Not waren die Russen stets bereit, das „letzteStück Brot“ mit einem Gast zu teilen. Auch heute lieben sie es, sich anFeiertagen zu besuchen und Gäste zu empfangen (auch wenn es inzwischen –zumindest in den Städten – üblich ist, seinen Besuch vorher anzukündigen und zuplanen). Sollten Sie in eine russische Familie eingeladen werden, bereiten SieIhren Magen darauf vor „Schwerstarbeit“ leisten zu müssen, streifen Sie beimEintritt in die Wohnung des Gastebers Ihre Schuhe ab und vergessen Sie nichtein Gastgeschenk mitzubringen.

 

Gastgeschenke
der Austauschvon Geschenken ist auch im geschäftlichen Bereich sehr verbreitet. DasÜberreichen von Gastgeschenken an Gastgeber und Geschäftspartner verbessert daszwischenmenschliche Klima und gehört zum guten Ton. Generell ist zwischenGeschenken zu unterscheiden, die eine bestimmte Beziehung zum Schenkenden,seinem Unternehmen, seinem Herkunftsland oder seiner Heimatstadt ausdrücken undGeschenken, die zu den Prestige- oder Luxusartikeln zu rechnen sind. Beiprivaten Einladungen ist ein Gastgeschenk ein „Muss“. Geeignete Geschenke sindArtikel mit Deutschland- und Regionalbezug sowie Designerlabels. Die Dame desHauses wird sich sicher über Blumen oder Pralinen freuen, der Herr des Hausesüber ein gutes alkoholisches Getränk (hüten Sie sich jedoch davor, Wodka zuverschenken!). Geschenke sollten immer eingepackt übergeben werden. Russenschenken ihren Geschäftspartner häufig landeskundlich-kulturell geprägteGegenstände (z.B. Matrjoschkas, Samoware, kunstgewerbliche Arbeiten aus Holzoder Porzellan, Bildbände, Gedenkmünzen etc.).

 

Geld
Bereits imzehnten Jahrhundert wurden erste Gold- und Silbermünzen nach byzantinischemVorbild geprägt, doch basierte das russische Münzwesen bis Ende des 17.Jahrhunderts fast ausschließlich auf der Kopeke - einem winzigen, unregelmäßiggeformten Silberplättchen, das nicht einmal ein Viertel Gramm wog. Ein weitererNachteil der Kopeke: Für ein Porträt des Monarchen war, wie bei den Münzeneuropäischer Staaten, auf dem Winzling kein Platz. Dies war für das äußereImage russischer Zaren wenig rühmlich. Auf den meist abgegriffenen Kopeken warvielleicht gerade noch schemenhaft ein Reiter mit Speer zu erkennen, weshalb esvor allem für ausländische Reisende praktisch unmöglich war, die echten Münzenvon den zahlreichen Fälschungen zu unterscheiden.

Der grandiose Sprungin die Neuzeit kam mit Zar Peter l. dem Großen (1689-1725). Er errichtete - mitBlick nach Westen - die neue Hauptstadt Sankt Petersburg an der Mündung derNewa. Dort legte er den Grundstein für die älteste Münzstätte Russlandsinnerhalb der Peter-und-Pauls-Festung, und er erschuf den Rubel. Die Gestaltungder neuen Großsilbermünze orientierte sich an europäischen Traditionen. Siezeigte ein Porträt des Monarchen, seinen Titel und Namen, das Prägedatum undden Nennwert, sowie sein Monogramm oder das Staatswappen, den Doppeladler.

Doch damit nichtgenug. Peter der Große reformierte das Land und eben auch das rückständigeGeldwesen, indem er - früher als selbst die fortschrittlichsten StaatenWesteuropas - das moderne Dezimalsystem (1 Rubel = 100 Kopeken) einführte,sowie Gold und Kupfer als Münzmetall. Die Aufschriften waren fastausschließlich in Kyrillisch, und nicht im sonst in Europa üblichen Latein. ImHinblick auf die vielen Analphabeten im Land trugen die Münzen zum Teilaufgeprägte Punkte, die den Nennwert markierten.

Der Name „Rubel"leitet sich vermutlich vom russischen Wort „rubít‘" (wörtlich übersetzt:hacken) ab. Es soll sich laut Expertenmeinung auf das Abschlagen vonSilberbarren beziehen. Bereits im 13. Jahrhundert taucht der Rubel alsRechnungseinheit auf, wobei die einzelnen Silberstücke rund 200 Gramm wogen.Mitte des 17. Jahrhunderts ließ Zar Alexej Michailowitsch für kurze Zeitwesteuropäische Taler überprägen und als Pseudo-Rubel kursieren. Doch sollten abermalsfünf Jahrzehnte vergehen, bis unter Peter dem Großen die ersten eigentlichenRubel-Münzen - als Gewichtsgrundlage diente der Taler - geprägt wurden. Dieallumfassende Geldreform (1700-1718) des berühmten Zaren katapultierte dasrussische Münzwesen vom frühen Mittelalter in die Moderne und überflügeltedabei - durch konsequente Einführung des Dezimalsystems - sämtlicheeuropäischen Vorbilder. Fortan sollte der Rubel in 100 Kopeken unterteilt sein.

 

GemeinschaftUnabhängiger Staaten (GUS)

Die GemeinschaftUnabhängiger Staaten (Sodrúzhestwo nezawísimych gosudárstw) wird in derEuropapolitik häufig auch als Neue Unabhängige Staaten (NUS) bezeichnet. DieGUS (oder NUS) bezeichnet die Nachfolgestaaten der Sowjetunion (ohne diebaltischen Staaten Litauen. Lettland, Estland sowie die inzwischenausgetretenen Staaten Georgien und Ukraine). Die GUS wurde am 8. Dezember 1991durch die Staatsoberhäupter Russlands, Weißrusslands und der Ukraine mit demAbkommen von Belowezh (Belowézhskoje Soglaschénije) gegründet. Sitz der GUS istdie weißrussische Hauptstadt Minsk. Im November 2011 beschlossen Russland,Weißrussland und Kasachstan die Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion, dieoffen ist für den Beitritt weiterer Länder, und die perspektivisch die GUSablösen soll.

 

Geschäftsessen
Geschäftsessensind ein wesentlicher Bestandteil der russischen Geschäftskultur. Dienten sieder russischen Seite noch vor wenigen Jahren häufig dazu (potenzielle)westliche Partner auf ihre Trinkfestigkeit zu prüfen, so laufen die allermeistenGeschäftsessen heute ähnlich ab wie auch in Westeuropa. Allerdings kommt derWahl des Restaurants eine besondere Bedeutung zu – zum einen ist es für dieeinladende Seite eine Statusfrage (je teurer das Restaurant, desto höher derStatus des Einladenden und/oder der Respekt dem Eingeladenen gegenüber), zumanderen lassen sich in vielen Restaurants keine normalen Gespräche führen(geschweige denn geschäftliche Angelegenheiten besprechen). Schuld daran istdie (über)laute Musik, die von vielen Russen als „Nonplusultra“ gepflegterGastronomie angesehen wird.

 

Geschäftszeiten
RussischeFirmen (Büros) arbeiten üblicherweise Montag-Freitag von 9.00-10.00 bis18.00-19.00 Uhr. Behörden sind von 9.00 bis 18.00, Banken von 10.00 bis 19.00Uhr besetzt. Die Öffnungszeiten im Einzelhandel sind überwiegend 10.00 bis20.00 Uhr Montag-Sonntag (mit Abweichungen). In den größeren Städten gibt eszudem eine nicht geringe Zahl von 24/7 Geschäften.

 

Geschlechterrollen
Ungeachtet derTatsache, dass viele junge russische Firmen erfolgreich von Frauen gegründetund geleitet werden, ist das dominierende Frauenbild in Russland noch immerpatriarchalisch-traditionell. Frauen werden – wenngleich üblicherweiseberufstätig – in erster Linie als Ehefrauen und Mütter gesehen. Nicht seltenträumen junge Frauen davon einen „reichen“ Ehemann (gern auch aus dem Westen)zu heiraten, der ihnen ein angenehmes Leben bietet und es überflüssig machtselbst berufstätig sein zu „müssen“. Auch im Geschäftsleben ist diesesFrauenbild mitunter anzutreffen, etwa wenn Frauen in einerVerhandlungsdelegation zwar mit am Tisch sitzen und auch etwas sagen dürfen,aber das Gefühl nicht loswerden, nicht als ebenbürtige Verhandlungspartnerinnenakzeptiert zu werden. Bei Ausländerinnen, die als Vertreterinnen westlicherUnternehmen nach Russland entsandt werden, stellt sich dieses Problem wenigerdrastisch – solange die Frauen fachlich kompetent sind, über die entsprechendeLegitimation (Entscheidungskompetenzen) verfügen und namhafte Unternehmenvertreten. Bei Markteintritt und/oder bei der Anbahnung von Geschäften undProjekten ist es allerdings zu empfehlen Männer (oder zumindest gemischteVerhandlungsteams mit gleichrangigen männlichen Kollegen) nach Russland zuentsenden um die notwendigen persönlichen Kontakte effizient aufbauen zukönnen. Ist ein Vertrag/Projekt erst einmal „in trockenen Tüchern“, d.h. in derPhase der Implementierung, stellt die Entsendung von Frauen kein Problem mehrdar.

 

Gesichtsverlust
In derrussischen Kultur ist die Vermeidung von Gesichtsverlust um (fast) jeden Preisin prioritärer Wert. Es gilt, Bloßstellungen vor Dritten zu vermeiden. DieFurcht vor Gesichtsverlust ist ein Grund dafür, dass Fehler selten eingestandenund stattdessen äußeren Umständen oder Dritten angelastet werden. Für eineerfolgreiche Kommunikation sind ein taktvoller, indirekter Kommunikationsstilund die Vermeidung konfrontativer Kritik unabdingbar. Sollte Kritikunumgänglich sein, so sollte sie in einem Vieraugengespräch geübt werden..

 

H

 

Handschlag
Händeschüttelnist in Russland sehr wichtig und hat geradezu symbolischen Charakter. Deshalbist ein Händedruck zu Beginn und zum Ende von Meetings oder Verhandlungen eineSelbstverständlichkeit. Allerdings gibt es kulturell bedingte Unterschiedezwischen Westeuropäern und Russen hinsichtlich der Begrüßung von Frauen perHandschlag.

 

Humor
Humor spielt inder russischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. Es ist der Humor einer Kultur,in der das Äußern von Gefühlen auch in der Öffentlichkeit nicht unterdrücktwird. Bei geschäftlichen Begegnungen gilt es hingegen gemeinhin als unseriös,Witze (anekdóty) zu erzählen bzw. eine festgefahrene Verhandlungssituation odereine etwas „frostige“ Präsentationsatmosphäre durch Scherze (schútki)auflockern zu wollen. Bei abendlichen Tischgesellschaften wird häufig jedochspätestens nach dem letzten „offiziellen“ Toast zu ungezwungeneren Gesprächenübergegangen, bei denen auch Witze und Anekdoten zum Besten gegeben werden.

Eine besondere Stärkedes russischen Humors sind politische Witze. Auch wenn der russische Humorzuweilen sehr sarkastisch sein kann, so ist er jedoch in der Regel nichtselbstabwertend oder verletzend. Selbstabwertung widerspräche dem starkenGefühl der Russen für persönliche Würde (nationalistisch und antisemitischgefärbte Witze seien hier ausdrücklich ausgeklammert). Auch Zynismus und zynischeWitze sind wenig verbreitet und können, wenn sie im Geschäftsleben auftreten,leicht zum Einfrieren der Geschäftsatmosphäre führen.

 

I

 

Internet
Fast die Hälftealler Russen verfügt inzwischen über einen Internetzugang. Etwa 55 der 70Millionen Russen mit Internetzugang sind aktive Nutzer. In 2013 sollen nocheinmal 20 Millionen Anschlüsse dazukommen[7]. Das russische Internet bietet eine Füllevon Informationen des täglichen Lebens, alle klassischen Suchmaschinen sindvertreten. (Die Anwahl erfolgt mit lateinischen Buchstaben, die Eingabe inRussisch). Die meisten Seiten werden auch in englischer Sprache dargestellt,leider werden auf einer Seite oft unterschiedliche Kodierungen und inWesteuropa unbekannte kyrillische Schriftsätze verwendet. Viele Unternehmenstellen sich inzwischen gut dar, wobei Informationen über Gesellschafter undGeschäftsführer nach wie vor rar sind.

Auch dieInternet-Präsenz der öffentlichen Verwaltung wurde in den letzten Jahren enormverbessert. Alle Gesetzesänderungen auf föderaler und regionaler Ebene könnennun zeitnah abgerufen werden. Die Übersichtlichkeit und Anwenderfreundlichkeitder Seiten wurde verbessert. Allerdings fordern einige RegionalverwaltungenPasswörter zur Abfrage bestimmter Informationen. Nicht immer werden die Seitenzeitnah aktualisiert (insbesondere, wenn es um Ansprechpartner undTelefonnummern geht, die häufig wechseln). Neben den offiziellen Seiten gibt eseine Vielzahl von Internetforen, in denen Expertenwissen und Erfahrungsberichtezu den verschiedensten Aspekten des Geschäftslebens (z.B. zu Gesetzesänderungenund ihre Umsetzung in die Praxis) ausgetauscht werden. Russische Blogger nutzendas Internet darüber hinaus um Themen zu diskutieren, die von dentraditionellen Massenmedien (z.B. Regional- und Boulevardzeitungen)totgeschwiegen werden. Mit zunehmender Nutzung des Internets spielen Bloggereine immer größere Rolle bei der Herausbildung der öffentlichen Meinung sowiefür das Standortmarketing von Städten und Regionen.

 

J

 

Jewrostandárt
Das Präfix„Jewro-“ (Euro-) ist im modernen Russisch weit verbreitet und wird häufig fürWerbezwecke verwendet. Anbieter von Produkten und Dienstleistungen wollen damitunterstreichen, dass ihre Produkte und Leistungen europäischen Standards undQualitätsanforderungen entsprechen. Da es sich um keinen geschützten Begriffhandelt, ist hier der Wunsch häufig Vater des Gedanken. Verwandte Begriffe sindz.B. Jewroremónt (Renovierung von Wohnungen nach „europäischem Standard“) oderJewrodizájn („europäisches Design“) – was immer man darunter verstehen will.

 

Jólka
RussischerWeihnachtsbaum (richtiger: Neujahrsbaum), der in keiner russischen Wohnungfehlen darf. Er wird mit bunten Glaskugeln, Schneeflocken aus Watte,Pappmaschee-Figuren, Lichterketten und Lametta dekoriert (üblicherweise jedochnicht mit Kerzen). Da die Russen erst seit 1991 wieder offiziell Weihnachtenfeiern (und auch das erst am 7. Januar – siehe Kalender), ist das Neujahrsfest,das am Silvesterabend beginnt, nach wie vor der beliebteste Feiertag.

 

K

 

Kalender
Zu Zeiten derKiewer Rus (9.-11. Jahrhundert) benutzte man einen Mond-Sonne-Kalender, bei demalle 19 Jahre sieben zusätzliche Monate eingefügt wurden. Nach derChristianisierung Russlands im Jahre 988 setzte sich schrittweise dieByzantinische Zeitrechnung durch. Entsprechend dieser Zeitrechnung fand dieErschaffung der Welt 5508 Jahre vor dem Anbruch der Neuzeit statt – das Jahr2014 entspräche demnach dem Jahr 7522 seit der Erschaffung der Welt. Das Jahrbegann am 1. März. Zar Iwan III ließ im Jahre 1492 (dem Jahr 7000 seit Beginnder byzantinischen Zeitrechnung) den Beginn des Jahres auf den 1. Septemberverlegen. Die Byzantinische Zeitrechnung galt bis 1699 und wurde dann von ZarPeter dem Großen zum 1. Januar 1700 durch den Julianischen Kalender ersetzt.1708 wurde der erste nicht-kirchliche Kalender Russlands gedruckt. Nach derRevolution von 1917 (die entsprechend dem Julianischen Kalender auch alsOktoberrevolution bezeichnet wird) führte die Sowjetmacht per Verordnung vom14. Februar 1918 den Gregorianischen Kalender ein. Die 13 Tage Unterschiedzwischen dem 25. Dezember (Weihnachten in Deutschland) und dem 7. Januar(Weihnachten in Russland) erklären sich aus diesen beiden Kalendersystemen (daWeihnachten als christliches Fest in Russland nach dem alten orthodoxenKalender gefeiert wird). Daten, die sich auf den Julianischen Kalenderbeziehen, werden heute üblicherweise mit dem Zusatz „alten Stils“ versehen.Weniger bekannt dürfte sein, dass es unter Stalin (zwischen 1930 und 1940) densogenannten Revolutionskalender gab, der de facto ein Produktionskalender war.Nach diesem Kalender bestand das Jahr aus 72 Fünf-Tage-Wochen. Dieverbleibenden 5 Tage wurden „großzügigerweise“ zu Feiertagen erklärt.

 

Kickback
Weit verbreitetForm der Korruption, bei der ein Anbieter, der den Zuschlag für einen Auftragerhält, einen Teil des Erlöses schwarz an den Auftraggeber zurücküberweist. ImRussischen wird dafür der Begriff „otkát“ (wörtlich „Rücklauf“) verwendet. EineSonderform ist das sogenannte „otkát s raspílkoj“ (wörtlich „Rücklauf mitabgetrenntem Teil“). Hierbei erhalten sowohl der Einkäufer desKundenunternehmens als auch der konkrete Mitarbeiter des Auftragnehmers, derden Auftrag akquiriert hat, eine Schwarzzahlung. Schmiergelder an Mitarbeiterder öffentlichen Verwaltung werden häufig euphemistisch als „Verwaltungssteuer“bezeichnet.

 

Klima
Es ist bekannt,dass die russischen Winter sehr kalt sind. Gewöhnlich pendeln die Temperaturenim europäischen Teil Russlands zwischen -5 und -15°C. Es kann aber auch weitauskälter werden. In öffentlichen Nahverkehrsmitteln sind die Temperaturen imWinter sehr niedrig, da diese oft nicht beheizt sind. Da der Winter jedoch vieltrockener ist als in Mitteleuropa, spürt man die Kälte nicht so extrem. DerSommer ist entgegen allen im Westen vorherrschenden Klischees kurz, aber sehrheiß, und es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Wussten Sie, dassWestsibirien zwischen Mai und August durchschnittlich ca. 1100 Sonnenstundenhat? (Das sind etwa 50% mehr als in Köln.)

 

Kontaktanbahnung
Geschäftsbeziehungensind in geringerem Maße versachlicht als in den meisten europäischen Kulturen.Der direkte persönliche Kontakt wird – und zwar vom Anbeginn einer zukünftigenBeziehung – einer anonymen Kontaktanbahnung per Telefon, E-Mail oder Postvorgezogen (auch wenn das Kommunikationsnetz und die technische Ausstattung inden Unternehmen heute, anders als noch vor ein paar Jahren, heute weitgehendvergleichbar mit der in Westeuropa ist). Nichtsdestotrotz haben offizielleEinführungen, Empfehlungen und die direkte Fürsprache (chodátajstwo) durchDritte eine sehr große Bedeutung. Wenn ein russischer Partner Ihnen die Türenzu Behörden, Institutionen oder Unternehmen öffnet, sollte dies angemessengeschätzt werden, da er damit seine eigene Autorität und sein Ansehen in dieWaagschale wirft und Ihnen beweist, dass er Ihnen Vertrauen entgegenbringt.Sollte sich dieses Vertrauen später aus irgendeinem Grunde als nichtgerechtfertigt erweisen (oder auf der anderen Seite zumindest dieser Eindruckentstehen), ist ein möglicher persönlicher Gesichtsverlust oft mehr gefürchtetals die Gefahr eines Imageschadens für das Unternehmen oder die Organisation,die seinerzeit die Fürsprache vorgenommen haben.

 

Körpersprache
Auch wennRussen in ihrer Körpersprache nicht grundlegend andere Signale aussenden alsDeutsche, gibt es doch gewisse Unterschiede. Am deutlichsten sind dieseUnterschiede im Hinblick auf das Abstandsverhalten. Ein Blick auf eineMenschenmenge oder Warteschlange genügt, um festzustellen, dass Russen meistviel dichter beieinander stehen als Deutsche, ohne sich belästigt zu fühlen. ImGeschäftsleben sind über den üblichen Händedruck hinausgehende Körperkontakte(wie z.B. Küsschen auf die Wange und Umarmungen) bei länger bestehendenGeschäftsbeziehungen häufig anzutreffen. Emotionale Reaktionsweisen (etwa inVerhandlungen oder Meetings) sind in der russischen Geschäftskultur häufigeranzutreffen als in der deutschen, in der ein beherrschtes Auftreten und dasZügeln von Emotionen „zum guten Ton“ gehören. Für Russen zählt hingegen vorallem Authentizität. Gelegentliche Gefühlsausbrüche werden (sofern sie nichtgezielt als taktisches Mittel in Verhandlungen eingesetzt werden) als„reinigendes Gewitter“ betrachtet, nach dem man wieder zur Tagesordnungübergehen kann. Eine gute persönliche Beziehung sollte belastbar genug sein, umso etwas aushalten zu können. Fremden gegenüber zeigen sich Russen dagegen oftzunächst sehr zurückhaltend, ja verschlossen (fast jeder westlicheRusslandreisende, der zum ersten Mal nach Russland kommt, stellt irgendwann dieFrage, warum die Menschen in der Öffentlichkeit so „mürrisch“ aussehen undnicht lächeln). Lächeln ist nach russischem Verständnis keine unpersönlicheHöflichkeitsgeste. Kinder werden dahingehend erzogen, dass sie nur dann lächelnsollten, wenn sie es wirklich ernst meinten. „Unmotiviertes“ Lächeln gegenüberFremden birgt dagegen die Gefahr des Gesichtsverlusts – etwa wenn der anderedas Lächeln nicht erwidert.

 

Korruption
Bis heute giltdie Korruption als eines der wichtigsten Wachstumshemmnisse für die weitereEntwicklung Russlands. Transparency International stellt dem Land keine gutenNoten aus. Beim Korruptionswahrnehmungsindex belegte Russland 2012 (trotzleichter Verbesserungen in den letzten Jahren) nur Platz 133 von 174 Ländern[8].Trotz groß angelegter Antikorruptionskampanien von Präsident und Regierung,fehlt es noch immer an einer starken parlamentarischen Kontrolle, einereffizienten Antikorruptionsbehörde und einer unabhängigen Justiz. Bei derVergabe öffentlicher Aufträge mangelt es an Transparenz und wirksameröffentlicher Kontrolle. Es gilt in Russland als gesellschaftlicher Konsens,dass die Korruption „unausrottbar“ sei und es wenig Sinne mache, als Bürgerernsthaft dagegen vorgehen zu wollen.

Nicht wenigerussische und westliche Experten sind inzwischen allerdings zu der Auffassunggelangt, dass das Thema überbewertet wird. 2011 veröffentlichten dieWirtschaftsprüfgesellschaft PWC und Transparency International Berichte[9],denen zufolge die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Bezug aufKorruption, eine konsequentere Umsetzung der Antikorruptionsmaßnahmen in derPraxis sowie die Einführung von Compliance Standards in den Unternehmen ersteErfolge zeitigten. Eine im Frühjahr 2012 von der WirtschaftsprüfgesellschaftErnst & Young durchgeführte Befragung von 1500 Top-Managern großerUnternehmen aus 43 Ländern kam zu dem Ergebnis, dass die Korruptionsrisiken inRussland seit 2011 rückläufig sind: während 2011 noch 39% der befragtenManager angaben, dass die Unternehmensziele in Russland ohne Bestechungnicht zuerreichen seien, waren es 2012 nur noch 16%[10]. In der Studie wird die Schlussfolgerunggezogen, dass Russland in Bezug auf die Korruptionswahrnehmung in Ländern miteinem mittleren Einkommen einen mittleren Rang einnimmt. Westliche Unternehmenkönnen ihren Beitrag zu einer langfristigen Bekämpfung der Korruption inRussland leisten – etwa indem sie sich rechtzeitig über behördlicheVorschriften und vom Gesetzgeber vorgesehene Gebühren und Bearbeitungsfristeninformieren und diese bei der Planung ihrer Geschäftsaktivitäten entsprechendberücksichtigen.

 

Kosaken
Gut möglich,dass Sie während Ihres Aufenthaltes im Süden Russlands einem „General“begegnen, der einen Säbel trägt. Sie hätten dann die Bekanntschaft einesKosaken gemacht.

Das Kosakentum isteine der originellsten und bedeutenden Erscheinungen in der GeschichteRusslands. Das Wort „Kosak“ ist tatarischen Ursprungs und bezeichnet eineeinzelne, vom Khan unabhängige Reiterschar. Seinen Ursprung hat das Kosakentumin der im 14. Jahrhundert einsetzenden Flucht russisch-ukrainischer Bauern vorder Leibeigenschaft. Sie siedelten entlang der Landesgrenzen im Süden Russlands,bis zu den sibirisch-nordkaukasischen Regionen.

Die Haltung derrussischen Zaren zu ihren entlaufenen Untertanen war immer zwiespältig. Zumeinen bedrohte die Flucht der Bauern die gegebene Ordnung und die materiellenInteressen des Landadels. So wurden regelrechte Feldzüge zum Einfangen derFlüchtlinge durchgeführt. Anderseits schützten die Wehrbauern die südöstlichenGrenzen des Reiches gegen tatarische Stämme oder osmanische Truppen. Dabeigingen Landesverteidigung, Beutezüge und territoriale Expansion Hand in Hand.Die Kosaken, die als Reitervolk ihre Blütezeit im 17. Jahrhundert erlebten,erwiesen sich bis ins 18. und 19. Jahrhundert aufgrund ihrer langenKriegserfahrung und ihres hohen reiterischen Könnens als effektive Truppe desrussischen Heeres, blieben aber auch bei diesen Verpflichtungen stets ihreigener Herr.

Während der großenpolitischen Veränderungen am Anfang des 20. Jahrhunderts gerieten die Kosakenin arge Bedrängnis, da sie sich als erbitterte Gegner der Sowjetmacht erwiesen.Zeitweilig bestand sogar ein eigener Kosakenstaat, "Kosakia" genannt.Dieser brach jedoch bald zusammen, die Rote Armee hatte sich als die stärkereMacht erwiesen. Der Nobelpreisträger Scholochow beschreibt in seinem Hauptwerk„Der Stille Don“ die Auseinandersetzungen innerhalb der Kosakenschaft in denJahren des Bürgerkrieges. Eine große Emigrationswelle setzte ein und führtedazu, dass sich in Frankreich, im ehemaligen Jugoslawien und in Deutschland inden 30er Jahren die berühmten Kosakenchöre gründeten. Im Zweiten Weltkriegkämpften auf beiden Seiten Kosakenverbände, die Rote Armee verfügte über fünfKavalleriedivisionen in traditionellen Kosakenuniformen. Auf der deutschenSeite bestand die Kosakendivision des Oberst Helmut von Pannwitz aus siebenRegimentern, von denen sich zwei aus Don-Kosaken zusammensetzten. Nach derdeutschen Niederlage wurden die Kosaken von den Westalliierten unter Bruch derGenfer Konvention am 1. Juni 1945 in Lienz, Osttirol, an die UdSSRausgeliefert.

Die Wiedergeburt desKosakentums leidet unter den geschichtlichen Brüchen des vergangenenJahrhunderts („Rot“ gegen „Weiß“). In Russland sind per Präsidenten-Ukaz dieUniformen und Dienstgrade der Kosaken legitimiert; im Kakausus erhielten dieTerek-Kosaken das Recht, Waffen zu tragen und versehen den Grenzdienst gegentschetschenische Freischärler. In der Ukraine hatte zu Beginn der 90er Jahredie Neubesinnung des Kosakentums eine starke Anti-Moskau-Komponente, das führtezu Konflikten mit den benachbarten russischen Don-Kosaken. Und auch in deraktuellen Ukraine-Krise sind die Kosaken involviert.

 

Kurierpost
Kuriersendungensind eine teure, aber zuverlässige und schnellere Alternative zu Postsendungen.Dokumente sollten generell nur per Kurierpost versandt werden. Kuriersendungensind nur bis Moskau mittels Auftragsnummer zu verfolgen. Danach tretenrussische Subunternehmer in Erscheinung. Deshalb sind die Laufzeiten mitunterunwägbar und die Frachtverfolgung ist nicht durchgängig bis zum Adressaten derSendung möglich. Die Zustellung von Kuriersendungen außerhalb urbanerBallungszentren kann sehr zeitintensiv und teuer sein.

Achtung:Warenmustersendungen oder Ersatzteillieferungen aus dem Ausland sollten nichtper Kurierpost versandt werden, da es sonst zu Problemen mit dem russischen Zollkommen kann.

 

 

L

 

Lärm
Es scheint inRussland nicht bekannt zu sein, dass man im alten China Verbrecher mittels Lärmhinrichtete. In Restaurants, Geschäften und Wohnungen laufen die Lautsprecheroft mit voll aufgedrehten Reglern. Lautstarke Musik in Cafés und Restaurantsgilt vielen Russen als Zeichen gepflegter Unterhaltung - für die man auch nocheinen „Unterhaltungszuschlag“ bezahlen muss.

 

Lokalisierung
Im Rahmen desModernisierungskonzepts für die russische Wirtschaft ist vorgesehen, dass biszum Jahr 2020 mindestens 60% der Wertschöpfung aller in Russland produziertenGüter vor Ort zu erzielen ist. Ziel ist es, den Import wettbewerbsfähigerProdukte zu begrenzen, diese stattdessen in Russland herzustellen und das dazuerforderliche Knowhow zu importieren. Das stellt viele deutsche Exporteure undProduzenten (insbesondere in der Automobilindustrie und im Maschinenbau) vorgroße Herausforderungen. Die Unternehmen stehen dabei vor der Aufgabe entwedereigene Zulieferketten aufzubauen und produzentenübergreifende Allianzen zubilden (da die notwendigen Mindestabnahmemengen bei vielen Komponenten andersnicht zu erreichen sind) oder Kooperationen mit geeigneten russischenZulieferern einzugehen. Letzteres scheitert in der Praxis jedoch häufig aus denverschiedensten Gründen. Zum einen fehlt es an mittelständischen russischenUnternehmen, die über ein entsprechendes Potenzial verfügen (d.h. entsprechendeStückzahlen in der geforderten Qualität liefern könnten), zum anderen sindrussische Unternehmen (trotz umfangreicher Förderung seitens des Staates)momentan nur sehr begrenzt daran interessiert als Zulieferer für ausländischeFirmen zu agieren. Hinzu kommt die Mentalität vieler Unternehmen, die daraufabzielt in kürzester Zeit einen maximalen Gewinn zu realisieren, was dazu führtdass selbst Zulieferunternehmen, mit denen bereits längerfristigeKooperationsbeziehungen bestehen, teilweise nicht davor zurückschrecken, ihrePreise sprunghaft zu erhöhen sobald ihr Endabnehmer einen Großauftragakquiriert hat.

 

M

 

Marschrutka
Abkürzung vonmarschrútnoje taksí (Linientaxi). Dabei handelt es sich um Kleinbusse für 8-10Personen, die einer vorgegebenen Linienführung folgen und auf Wunsch derFahrgäste anhalten. Sie werden ausnahmslos privat betrieben und verbinden dieVororte und Satellitenstädte mit dem öffentlichen Nahverkehrsnetz, insbesondereder Metro.

 

Matrjoschka
Dietraditionell mit einem Frauengesicht bemalte Steckpuppe aus Linden- oderBirkenholz gehört heute zu den beliebtesten russischen Souvenirs. Beim Öffnender Puppe kommen immer kleiner werdende Figuren zum Vorschein. Die Matrjoschka,deren Name von dem alten russischen Frauennamen Matrjóna abgeleitet ist,entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Anlehnung an die japanischenFukurokuju-Puppen. 1890 sollen der Maler Sergej Maljútin und der DrechslerWassilij Swjósdotschkin die erste Matrjoschka in Russland geschaffen haben.Neben der traditionellen Ausführung der Matrojschka mit roten Pausbäckchen undrussischer Kleidung gibt es mittlerweile eine Vielzahl moderner Varianten (z.B.die russischen Präsidenten).

 

Metro
Abkürzung vonruss. metropolitén (U-Bahn). Nach der Anzahl von Städten mit U-Bahn-Netz nimmtRussland den dritten Platz in der Welt ein. Gegenwärtig fährt die Metro insieben russischen Millionenstädten: Moskau, Sankt-Petersburg, Jekaterinburg,Nizhnij Nowgorod, Nowosibirsk, Samara und Kazan. Die Moskauer Metro ist dieälteste. Die ersten 11 km des heute mehr als 300 km umfassenden Streckennetzeswurden im Mai 1935 in Betrieb genommen. Sie wurden von der Firma Siemens (alsKopie der Berliner U-Bahn) gebaut. Heute hat die Moskauer Metro mehr als 180Stationen. Bis zum Jahr 2025 ist die Erweiterung des Streckennetzes auf 660 kmgeplant. Alle Linien verlaufen sternförmig vom Zentrum und sind durch dieRinglinie miteinander verbunden. Jede Linie hat eine eigene Nummer und istdurch eine eigene Farbe gekennzeichnet. Der Streckennetzplan ist sowohl auf denBahnhöfen als auch in den (insgesamt 4500) Waggons in kyrillischen undlateinischen Buchstaben angezeigt, was nicht Russisch Sprechenden dieOrientierung erleichtert. Die tiefste Station (Park des Sieges) befindet sich84 m unter der Erde. Übrigens: rennen und drängeln lohnen sich nicht – die Zügefahren im 1-2-Minuten-Takt. Die Betriebszeit ist zwischen 5.30 Uhr und 1.00Uhr.Gegenwärtig laufen Diskussionen, die nächtlichen Betriebszeiten zu verlängern.

 

Migrationskarte
2007eingeführtes Dokument, das Nicht-Residenten bei der Einreise in die RussischeFöderation erhalten. Es wird von den Grenzbeamten bei Vorlage des Reisepassesmit Visum elektronisch ausgestellt und muss dann vom Einreisenden unterschriebenwerden. Nach der Einreise sind Ausländer verpflichtet, sich innerhalb von siebenWerktagen in jeder besuchten Stadt polizeilich anzumelden. Dazu sind derReisepass und die Migrationskarte vorzulegen. Wohnt ein Ausländer im Hotel,wird diese Anmeldung vom Hotel erledigt. Bei eventuellen Personenkontrollen aufBahnhöfen, in der U-Bahn oder anderen öffentlichen Orten kann die Polizei dasVorhandensein einer gültigen Migrationskarte (samt polizeilicher Anmeldung)prüfen. Bei der Ausreise ist der Reisepass mit der Migrationskarte vorzulegen.Diese wird von der Grenzpolizei eingezogen. Die Registrierung ist gebührenfrei.Es ist auch eine Registrierung per Post möglich. Die Post berechnet für dieEntgegennahme des Anmeldformulars eine Gebühr von derzeit 180 Rubel.

Achtung: bei Verlustder Migrationskarte oder Ablauf ihres Gültigkeitsdatums drohen Ihnen Strafenzwischen 2000 und 5000 Rubel (40-100 Euro). Schwerer als eine möglicheGeldstrafe wiegt jedoch, dass Verletzungen der Meldevorschriften für Ausländer(und als solche wird der Verlust der Migrationskarte oder polizeilichenMeldebescheinigung gewertet) Sperrvermerke für die zukünftige Erteilung vonRussland-Visa für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren nach sich ziehenkönnen.

 

Mittelschicht
Die noch jungerussische Mittelschicht ist dank politischer Stabilität und Wirtschaftswachstumin den letztenJahren stark gewachsenen. Wurden noch 2007 zwischen 2% und 15% der Bevölkerungder Mittelschicht zugerechnet[11], so waren es 2012 bereits ca. 30%[12] (nach eigenem Bekunden sehen sich etwa50% der Russen als Vertreter der Mittelschicht). Während sie in den urbanen Zentrenüberdurchschnittlich vertreten ist, ist ihr Anteil an der Landbevölkerungjedoch noch immer marginal. Die Mittelschicht ist gut ausgebildet, aktiv,reiselustig und zunehmend auch politisch interessiert (die Protestbewegung imZusammenhang mit den Parlaments- und Präsidentenwahlen 2011/2012 wurdemaßgeblich von dieser Schicht getragen). Hervorgegangen aus den so genannten„Neuen Russen“ der 90er Jahre, hat sich die russische Mittelschicht inzwischenden westlichen Konsumstandard und Lifestyle zu Eigen gemacht. Anders als dieOberschicht (Stichwort: „Oligarchen“), verdankt die Mittelschicht ihrenWohlstand und sozialen Status zumeist eigenen Anstrengungen und Leistungen. Eshat sich jedoch noch kein Gruppenbewusstsein oder Wertesystem der Mittelschichtherausgebildet. Auch gibt es noch keine eigenständige politischeInteressenvertretung der Mittelschicht. Ihre Vertreter haben ihre Unternehmenin erster Generation aufgebaut oder bekleiden mittlere oder höhereFührungspositionen in Unternehmen und Verwaltung. Auch wenn Sie bei IhrenRusslandgeschäften vorwiegend mit Vertretern der Mittelschicht zusammenarbeitenwerden, hat sich bislang noch kein Mittelstand etabliert. Die Wirtschaft wirdnoch immer von „quasi-staatlichen“ Großunternehmen (z.B. im Energie- undRohstoffsektor) bzw., im Dienstleistungsbereich, von Kleinunternehmen undselbständigen Unternehmern dominiert.

 

Mobilfunk
Russlandverfügt über eine der höchsten Mobiltelefondichten pro Einwohner in der Welt.Fast alle größeren russischen Städte sind per Handy im GSM-Standard zuerreichen, die Versorgungsdichte außerhalb der Ballungsgebiete ist aberaufgrund der Größe des Landes noch unzureichend, das Absetzen von SMS nicht inallen Städten möglich. Das „automatische Einloggen“ funktioniert. Wählen Sieeinen günstigen Anbieter. Die Taktzeit wird generell in Minuten bemessen.Vorsicht ist bei internationalen Roaming-Gebühren angesagt, da westeuropäischeMobilfunkanbieter, wie Vodafone und Mobilcom debitel, für abgehendeinternationale Gespräche nach Deutschland bis zu 5,00 Euro pro Minuteberechnen. Schalten Sie Ihr deutsches Handy in Russland nur ein, wenn Sie einGespräch führen wollen. Die Vorwahl nach Deutschland lautet 8 Ton 1049(Vorwahl). Mittlerweile setzt sich die +49 Nummer (ohne 0) immer mehr durch.Für längere oder wiederholte Aufenthalte im Land empfiehlt es sich ein zweitesHandy mit einer lokalen Prepaid Karte mit sich zu führen. (Allerdings kanndiese nicht ohne Weiteres für Roaming-Dienste freigeschaltet werden, da dieseinen festen Mobilfunkvertrag mit einem russischen Anbieter erfordert. SolcheMobilfunkverträge können jedoch nur von Residenten der Russischen Föderationgeschlossen werden.)

Übrigens: Russen sindobsessive Handynutzer! Immer und überall wird mobil telefoniert – selbst im Flugzeugoder im Theater können viele Russen nicht davon ablassen.

 

Mobilität
Im Vergleich zusowjetischen Zeiten ist die (berufliche) Mobilität vieler Russen heute sehrviel geringer. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen. Neben den traditionellengen Familienbanden beschränken vor allem hohe Beförderungstarife im Inlandund der Mangel an verfügbarem Wohnraum die Mobilität der Bürger. Hinzu kommenendlose Verkehrsstaus in den Ballungszentren, die selbst einen 25-30 km langenWeg zur Arbeit zu einer stundenlangen Odyssee werden lassen. Arbeitgeber, diequalifizierte Fach- und Führungskräfte für Produktionsstandorte abseits derurbanen Zentren suchen, müssen potenziellen Mitarbeitern neben einerangemessenen Vergütung auch praktische Unterstützung bei der Suche einerWohnung und beim Umzug bieten.

 

Muttersprachler
Bei rund3.000.000 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland Zugewanderten, istdas potenzielle Angebot an Russisch sprechenden Mitarbeitern undDolmetschern/Übersetzern groß. Sollten Sie bei Ihrem Geschäftsaufbau inRussland diese Ressourcen nutzen wollen, bedenken Sie jedoch, dass Russen, dieschon längere Zeit in Westeuropa leben (und insbesondere Spätaussiedler), beiihren früheren Landsleuten in Russland häufig auf Akzeptanzprobleme stoßen.Zumindest in der Phase der Geschäftsanbahnung (bzw. bei Vertragsverhandlungen)sollten Sie diesen Aspekt berücksichtigen. Auch sehen viele der hier lebendenRussen/Spätaussiedler inzwischen Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt undsind nicht an einer längerfristigen beruflichen Tätigkeit in Russlandinteressiert.

 

N

 

Nahes Ausland

Ein im Russischengebräuchlicher Begriff, der in Bezug auf die ehemaligen Sowjetrepubliken (ohnedie baltischen Staaten) angewendet wird.

 

Nationalstolz
Russen haben einenausgeprägten Nationalstolz. Der Zerfall der Sowjetunion, die Krise derÜbergangsjahre und äußere Ereignisse (wie z.B. die NATO-Osterweiterung) hattendem Nationalstolz schwer zugesetzt. Mit der wirtschaftlichen Stabilisierung derletzten Jahre und der Konsolidierung Russlands unter Präsident Putin ist auchder Nationalstolz wiedererstarkt. In den letzten Jahren bemühen sich die Russenverstärkt, zu einer neuen nationalen Identität zu finden (Stichwort: Diskussionüber die „nationale Idee“). Gleichzeitig ist eine Zunahme nationalistischer undantisemitischer Tendenzen zu beobachten. Russen sehen sich nicht vorrangig alsEuropäer, sondern als Russen. Der wiedererstarkte Nationalstolz geht häufigeinher mit einem Hang zu Geschichtsklitterung, Nationalismus, Xenophobie undIntoleranz. Russen können sich selbst und ihrem Land gegenüber sehr kritischsein, reagieren aber sehr emotional und empfindlich, wenn Kritik von außenkommt.

 

Naturverbundenheit
Der Russe liebtseine Natur. Gern fährt er mit Kind und Kegel oft weite Strecken ins Grüne oderauf seine Datsche. Die Jagd und das Angeln, besonders das Eisangeln im Winter,Pilze sammeln, und Lagerfeuer mit Freunden erfreuen sich großer Beliebtheit.Umweltbewusstsein ist dagegen erst in sehr zarten Ansätzen vorhanden.

 

Nepotismus
In derrussischen stark beziehungsorientierten Kultur gibt es keine klare Trennungzwischen Privatem und Geschäftlichem. Verwandtschaftliche Bande, engefreundschaftliche Beziehungen oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmtensozialen Gruppe prägen noch immer Entscheidungen aller Art – sei es die Wahlder Hochschule, des Berufs, eines Geschäftsführers für das eigene Unternehmenoder eines Investitionsstandorts. Die Grenzen zur Vetternwirtschaft sindfließend. Sie ist der Treibsatz für Korruption und Ämterpatronage. Esmangelt am Bewusstsein für mögliche Interessenkonflikte; die Verflechtungprivater, geschäftlicher und öffentlicher Interessen gilt als naturgegeben.Auch wenn immer mehr russische Unternehmen Bemühungen erkennen lassen, Geschäftsprozesseund Entscheidungsstrukturen nach internationalen Standards zu reformieren –z.B. indem sie im Westen übliche Personalauswahl- und -rekrutierungsverfahrenanwenden oder Verhaltens- und Compliance Standards einführen – so sind diesejedoch noch immer eher die Ausnahme als die Regel.

 

Neue Russen

Der Begriff „NeueRussen“ (nówyje rússkije) steht für ein am Ende der Perestrojka entstandenesStereotyp, mit dem eine neue soziale Klasse, die der erfolgreichen,aufsteigenden Geschäftsleute und gut verdienenden Spitzenmanager großerUnternehmen, bezeichnet wurde. Er wurde ursprünglich von dem amerikanischenJournalisten H. Smith geprägt und später wörtlich ins Russische übersetzt. InRussland verwendete die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ den Begriff erstmals1992 in einem Artikel. Der Begriff war von Anfang an negativ besetzt, ertransportierte Zuschreibungen, wie „neureich“, „unkultiviert“, „geschmacklos“,„protzend“, „zwielichtig“, „dubios“ etc. Die „neuen Russen“ bildeten zugleichdie Keimzelle für die spätere Herausbildung der Mittelschicht.

 

O

 

Obrigkeit
Dastraditionelle Verhältnis der Russen zur Obrigkeit ist ambivalent. Einerseitsist es von Fatalismus, Hinnahme von Willkür, Gehorsam gegenüber Höhergestelltenund das Nicht-infrage-stellen von Privilegien und EntscheidungenHöhergestellter gekennzeichnet. Zudem wurde der Obrigkeit eine paternalistischeFürsorgepflicht dem „gemeinen Volk gegenüber“ zugeschrieben. Andererseits wardas Verhältnis zur Obrigkeit immer auch von Skepsis, stiller Verweigerung undverstecktem Widerstand geprägt – was sich nicht zuletzt in dem russischenSprichwort „Der Himmel ist hoch, und der Zar ist weit“ äußert.

 

Online-Buchungen
Online-Buchungenvon Flügen sind möglich. Beachten Sie, dass im großen Russland nicht immeralles nach Plan geht. Schon von Deutschland aus sind Umbuchungen beiReiseveränderungen beschwerlich, mal steht die Leitung zum Zentralrechnernicht, mal ist die verantwortliche Kollegin nicht am Platze…. Müssen Sie inRussland umbuchen, so ist es notwendig, persönlich am Schalter derFluggesellschaft erscheinen, was sowohl in Moskau als auch in der Provinz sehrzeitaufwändig sein kann. Buchen Sie ihre Flüge deshalb über ein zuverlässigesReisebüro mit Sitz in Deutschland. Von Russland können Sie jederzeit zu Hauseanrufen um Umbuchungen zu tätigen. Der Online Check-in funktioniert bei denmeisten russischen Fluglinien, oft können Sie von Flughäfen außerhalb Moskausdas Gepäck direkt zum Zielflughafen abfertigen lassen. Bei einem Flug vonDeutschland nach Russland (mit Zielen im Landesinneren) ist das dagegen nochnicht immer möglich.

Online-Buchungen vonHotelzimmern sind problemlos möglich, beachten Sie, dass einige Hotels eineSicherheitshinterlegung für die voraussichtlichen Hotelkosten fordern und dieseSumme auf ihrer Kreditkarte blockieren. In diesem Falle ist eine Hotelbuchungüber ein Reisebüro günstiger. Bei kleineren Hotels rufen Sie einfach an undbuchen direkt. Man spricht dort fast immer englisch (oder deutsch).

Online-Buchung vonKarten für Events und Theaterbesuche sind bei vielen Veranstaltern ebenfallsproblemlos möglich, es wird nur eine Auslieferungsadresse in Moskau oder St.Petersburg gefordert. Nach Zahlungseingang werden die bestellten Karten an dieangegeben Adresse, z.B. das Hotel, geliefert. Auf diese Weise ist es nichtschwer, einen unvergleichlichen Ballettabend im Moskauer Bolschoj Theater zugenießen.

 

P

 

PolitischeFlankierung

Der langfristigegeschäftliche Erfolg in Russland hängt – insbesondere bei Investitionsprojekten– maßgeblich davon ab, ob das Vorhaben durch die politische Führung derjeweiligen Region/des jeweiligen Gebietes gewollt und unterstützt wird. Esempfiehlt sich deshalb frühzeitig Kontakte zur jeweiligen Gebiets- oderRegionalverwaltung herzustellen, das Geschäftsvorhaben zu präsentieren, dieprinzipielle Einstellung der Verwaltung zu dem geplanten Projekt auszuloten undsich einen Ansprechpartner in der Verwaltung benennen zu lassen – für den Fall,dass unvorhergesehene bürokratische Hürden eine Unterstützung seitens derVerwaltung erforderlich machen. Diese wird insbesondere dann erforderlich, wennes um die Einholung von Baugenehmigungen oder den Anschluss an das Energie-bzw. Gasversorgungsnetz geht. Das Russische hat für die politische Flankierungeinen eigenen Begriff geprägt: „Verwaltungsressource“ (russ. administratíwnijresúrs). Dabei handelt es sich um die russische Spielart des Public PrivatePartnership (PPP). Der Begriff ist jedoch teilweise negativ belegt, da er auchfür die enge Verflechtung und Intransparenz der Beziehungen zwischenöffentlicher Verwaltung und Wirtschaft steht. Aufgrund des Fehlens einer klarenAbgrenzung zwischen Politik und Business sind Abstimmungen mit den politischenFührern aller Stufen üblich, nützlich, ja oft unerlässlich. Die Grenze zurKorruption ist dabei jedoch fließend.

 

Postsendungen
Die Postlaufzeiten zwischen Moskau und Deutschland betragen zwischen 10 und 30Tagen. Innerhalb Russlands beträgt die Zustelldauer zwischen 5 und 30 Tagen zuveranschlagen. Aufgrund der langen Postlaufzeiten und einer nicht immergarantierten Zustellzuverlässigkeit werden in Russland häufig Kurierdienste inAnspruch genommen.

 

Própusk
Passierscheinoder Besucherausweis, der zum Betreten von Unternehmen oder staatlichenGebäuden (wie z.B. Ministerien) berechtigt. In nicht allzu ferner Vergangenheitkonnte die Ausstellung eines solchen Besucherausweises aufgrund mangelnderServiceorientierung und umständlicher interner Abläufe in Behörden undUnternehmen zu einer harten Geduldsprobe werden. Inzwischen hat sichdiesbezüglich Vieles zum Besseren gewandelt. Üblicherweise avisiert Ihrrussischer Geschäftspartner Sie bei der Einlasskontrolle, so dass IhrBesucherausweis entweder bereitliegt oder problemlos bei Ihrem Eintreffenausgestellt wird. Vergessen Sie jedoch auf keinen Fall Ihren Reisepassmitzunehmen, damit Sie sich ausweisen können.

 

Q

 

Qualität
Als Konsumentenhaben „die Russen“ den - nicht unbegründeten - Ruf sehr anspruchsvoll undwählerisch zu sein. Vielen Vertretern der Ober- und Mittelschicht, alsodenjenigen die das Bild der modernen Russen im Ausland maßgeblich mitprägen,scheint „das Beste gerade noch gut genug“ zu sein. Allerdings lässt sich diesesKonsumentenverhalten nicht unbedingt auf das Geschäftsleben übertragen.

Bei geschäftlichenEntscheidungen (inklusive Investitionsentscheidungen) bevorzugen russischeGeschäftspartner häufig das kostengünstigste Angebot – auch in Bezug aufAnlagen, Ausrüstungen, Materialien und Technologien. Die Gründe für dieseunterschiedlichen Sichtweisen auf den Qualitätsbegriff (als Verbraucher und alsUnternehmer) sind vielfältig: neben der noch immer nachwirkenden historischenErfahrung (Mangelwirtschaft bis in die 90er Jahre und Orientierung auf dieBefriedigung von Grundbedürfnissen mit primitiven Standardprodukten diemöglichst Jahrzehnte funktionieren sollten), sind es vor allem kurzfristigeGewinnerwartungen und die Geringschätzung gegenüber den eigenen Kunden („fürunseren Markt reicht das“), die russische Unternehmer zu „Schnäppchenjägern“werden lässt. Hinzu kommt, dass Einkaufs- und Investitionsentscheidungen häufigvon Managern getroffen werden, die über unzureichendes oder veraltetestechnisches Know-how verfügen, so dass deren Entscheidungen stärker aufPreis-Preis Vergleichen (und weniger auf Preis-Leistungsvergleichen) beruhen.Unterschiede in der Gesetzgebung (z.B. bei Standards im Umwelt- undVerbraucherschutz) und ein schwach entwickeltes Bewusstsein für knappeRessourcen tragen ein Übriges dazu bei Qualität als einen von vielen, jedochnicht als entscheidenden Wettbewerbsfaktor anzusehen. Die genannten Gründesowie der Mangel an qualifizierten Facharbeitern stellen westliche Unternehmen,die in Russland eigene Fertigungskapazitäten und Servicebetriebe errichtenwollen, vor besondere Herausforderungen im Hinblick auf dasQualitätsmana-gement. (Siehe auch Anlage!)

 

R

 

Reizthemen
Themen, die Siein der Kommunikation mit russischen Partnern nicht selbst ansprechen solltenund die Vorsicht und Fingerspitzengefühl erfordern, wenn die russische Seitesie anspricht. Dazu gehören z.B. die aktuelle politische Situation in Russland,die russische Politik gegenüber ethnischen Minderheiten und politischAndersdenkenden, kritische Vergleiche Russlands mit anderen Ländern(insbesondere mit anderen Transformations- oder Schwellenländern), Vergleichezwischen Moskau und Sankt Petersburg, der Zweite Weltkrieg, derUkraine-Konflikt oder auch die Haltung zu gleichgeschlechtlichenPartnerschaften und Ehen.

Auch in dergeschäftlichen Kommunikation mit Russen gibt es eine Reihe von Themen, die eingewisses Fingerspitzengefühl erfordern. Dazu gehören Fragen über dieAbsicherung von Verträgen durch Garantien, sowie Fragen nach Referenzen,Termin- und Liefertreue, Qualität und Serviceleistungen. Aufgrund mangelnderinternationaler Erfahrungen tun sich viele russische Unternehmen noch immerschwer damit die eigene Marktposition im internationalen Wettbewerb realistischeinzuschätzen.

 

Russische Küche

Die russische Kücheist sehr reichhaltig. Bei größeren Feiern wird zu Hause oft ein Vier-Gänge-Menüserviert. Es gibt viele verschiedene Salate, Sprotten, Kaviar, Wurst, Käse etc.als Vorspeise. Danach folgt eine Suppe, z.B. Borschtsch, die mit Brot undSauerrahm gegessen wird. Anschließend folgt der Hauptgang. Dieser besteht meistaus Fleisch, Hähnchen oder Fisch und wird mit Kartoffeln oder Reis serviert.Zum Abschluss wird das Dessert gereicht, Torte oder Eis. Dazu wird Teegetrunken. Traditionell wird in Russland zwei- bis dreimal täglich warmgegessen. Aufgrund der klimatischen Bedingungen ist das russische Essen sehrkalorienhaltig, Gewürzen (außer Salz) werden selten benutzt. Kartoffeln stellenneben Brot das wichtigste Grundnahrungsmittel dar.

 

Russische Seele

Russland ist einVielvölkerstaat, in dem sich viele unterschiedliche Mentalitäten treffen. Durch dieVerschmelzung dieser Völker und Konfessionen und die Einflüsse sowohlwestlicher wie östlicher Prägungen entwickelten sich markante Eigenarten bzw. Stereotype, die in den Begriffder „russischen Seele“ (rússkaja duschá) mündeten. Dieser Begriffhat bis heute eine sehr breite Rezeption erhalten. Die „russische Seele“ wirdhäufig als ein Hang zu extremen Gegensätzen beschrieben. Diese Extreme äußernsich z.B. in dem Streben nach dem Äußersten oder auch in der Bereitschaft, sichentweder nach der einen oder plötzlich und ganz spontan in die entgegengesetzteRichtung zu wenden. Weitere Eigenschaften und Stereotype, die dem Begriff der„russischen Seele“ zugeordnet werden, sind eine ausgeprägteSchicksalsergebenheit, der Hang zur Geduld, die Neigung zum Aberglauben, dieFähigkeit und Bereitschaft Leid zu ertragen, oder die sehr starkeHeimatverbundenheit. Dazu kommt eine Alles-oder-nichts-Mentalität, die keinenKompromiss oder den Weg der goldenen Mitte zu kennen scheint. Eine weitereherausragende Eigenschaft ist Gefühle, positive wie negative, relativ offen unddirekt zu zeigen, was Ausländer oft irritiert. Insgesamt spielen für vieleRussen Gefühle eine größere Rolle als Rationalität, was bisweilen als Gegensatzzu eher individualistischen, rational handelnden und denkenden Westlerninterpretiert wird. Bestandteil des Begriffs der russischen Seele ist auch einstarkes Solidaritäts- und Gemeinschaftsgefühl.

Die russischeGesellschaft ist noch immer kollektivistisch geprägt, die Zugehörigkeitzu einer Gruppe ist sehr wichtig (auch wenn mit zunehmendem Lebensstandard einestarke Tendenz zum Individualismus zu beobachten ist). Dieses Wertesystemstammt nichterst aus den Zeiten des Kommunismus, sondern reicht weit zurück in die Lebensweiseder bäuerlichen Dorfgemeinschaft. Da auch Grund und Boden lange Zeit Gemeingutwaren, hat sich bei den Russen verinnerlicht, dass die Interessen des Einzelnenvor den Interessen der Gruppe zurückzustehen haben. Man definiert sich über dieGemeinschaft und achtet auf die Stimmigkeit von eigenem Verhalten und eigenerMeinungsäußerung mit denen des Kollektivs. Ein von Nicht-Russen oft als negativempfundener Aspekt des Kollektivismus ist der Nepotismus, der bei derStellen- oder Auftragsvergabe häufig vorkommt.

 

Russlandbilddeutscher Medien

Noch immer nehmenKlischees und Stereotype einen großen Teil der deutschenRussland-Berichterstattung ein. Das im Zuge der langen und wechselvollenGeschichte der beiden Länder historisch entstandene Russlandbild der Deutschenist bis heute überaus widersprüchlich. Einerseits waren die Deutschen immerschon fasziniert von der Größe Russlands, seinen Menschen und seiner Kultur,anderseits war – und ist – die Wahrnehmung des Landes geprägt von vielenVorurteilen („Despotismus“, Rückständigkeit“, „Willkür“) und Ängsten (vor der„kommunistische Bedrohung aus dem Osten“ oder – heutzutage – vor einereinseitigen Abhängigkeit der westlichen Wirtschaft von russischenRohstofflieferungen bzw. vor dem Wiedererstarken russischerGroßmachtambitionen).

Trotz derinnenpolitischen und wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes in den letztenJahren überwiegt eine eindeutig kritische (zuweilen tendenziöse) Berichterstattungüber negative Ereignisse in Russland (z.B. über angebliche oder tatsächlicheWahlmanipulationen, über die Verhaftung und Verurteilung Oppositioneller in„Schauprozessen“ oder über die russische Außenpolitik in Bezug auf denSyrien-Konflikt). Für die Wahrnehmung Russlands im Ausland war die Person desjeweiligen Zaren, Generalsekretärs oder Präsidenten immer schon vonherausragender Bedeutung. Auch Präsident Putin macht da keine Ausnahme – erwurde in den letzten 12 Jahren zum Synonym für Russland. Einerseits wurde dievon ihm betriebene Stabilisierungs- und Modernisierungspolitik im Auslanddurchaus wahrgenommen, andererseits haben die unter ihm erfolgteZentralisierung der Macht, die unterstellte Einschränkung der Medienfreiheitund wahrgenommene Verletzungen rechtsstaatlicher Grundsätze im Umgang mitpolitisch Andersdenkenden das Russland-Bild in der westlichen Presse nachhaltignegativ beeinflusst.

 

Russlanddeutsche
Der Begriffbezieht sich auf deutschstämmige Aussiedler bzw. Spätaussiedler, die im Zugedes Zusammenbruchs des Ostblocks (Fall des „Eisernen Vorhangs“) aus Russlandund weiteren Nachfolgestatten der ehemaligen Sowjetunion (z.B. Kasachstan undKirgisistan) nach Deutschland rückübersiedelten. Dabei handelt es sich umschätzungsweise 2.500.000 Menschen. Diese stellen einerseits ein riesigesPotenzial für den weiteren Ausbau der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungendar. Häufig handelt es sich um gut qualifizierte und hoch motivierteFachkräfte. Andererseits darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dasssich die Nutzung dieses Potenzials zuweilen sehr schwierig gestaltet. DieGründe hierfür sind vielfältig: zum einen sehen viele Russlanddeutscheninzwischen ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland und wollen möglichst wenig (odergar nichts mehr) mit ihrer früheren Heimat zu tun haben. Die meisten sindinzwischen in Deutschland integriert, wenig an Russland interessiert und ihrefrüheren beruflichen Erfahrungen sind häufig wertlos, da sie in anderenBereichen, aus einer anderen Zeit und – was viel entscheidender ist – in einemanderen politischen und wirtschaftlichen System gemacht wurden. Hinzu kommt,dass viele Russlanddeutsche in Russland selbst nicht immer angenommen und als„Partner auf Augenhöhe“ akzeptiert werden. Geschäftsleute sollten deshalb gutabwägen, wann und für welche Aufgaben sie sich der Kompetenz, Sprach- undLandeskenntnis von Russlanddeutschen bedienen möchten.

 

S

 

Samowar
Traditionellerussische Teekochmaschine aus Tula, einer ca. 200 km südlich von Moskaugelegenen Stadt, die unter Zar Peter I zur “Waffenschmiede“ Russlands wurde.Ursprünglich wurde der Samowar mit Holzkohle oder Petroleum beheizt. ModerneExemplare verfügen über eine Heizspirale, wie bei einem Wasserkocher. Der NameSamowar bedeutet wörtlich übersetzt „Selbstkocher“. Erste schriftlicheErwähnungen des Samowars finden sich aus den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts.(Auch wenn Tee heute als ein typisch russisches Nationalgetränk angesehen wird,verbreitete sich das Teetrinken erst relativ spät in Russland – Mitte des 18.Jahrhunderts). Die russische Redewendung „mit seinem Samowar nach Tula fahren“bedeutet in etwas dasselbe wie „Eulen nach Athen tragen“.

 

Sapsan
Von der FirmaSiemens produzierte Hochgeschwindigkeitszüge, die seit 2010 zwischen denBallungszentren Moskau und Sankt Petersburg bzw. Moskau und Nizhnij Nowgorodverkehren. Sie sind eine attraktive (weil zeitsparende) Alternative zur Reisemit dem Flugzeug. „Sapsan“ bedeutet auf Deutsch „Wanderfalke“.

 

Schápka(im Deutschenauch: Tschapka)

Traditionellerussische Männerkopfbedeckung aus Pelz (russ. schápka-uschánka). IhreBesonderheit besteht in den Ohrenklappen, die sich mit Bändern nach oben bindenlassen. Bis heute ist die Tschapka die populärste Kopfbekleidung für denWinter. Als „Geburtsstunde“ der Tschapka in ihrer heutigen Form wird das Jahr1918-1919 angesehen, als die Truppen des Weißgardisten-Generals Koltschak mitdieser Art Kopfbedeckung (russ. schápka-koltschakówka) ausgestattet wurden.Neben der Tschapka als Alltagskopfbekleidung bezeichnet der Begriff jedoch aucheinen Teil der Machtinsignien der Moskauer Großfürsten und Zaren des 14. Bis17. Jahrhunderts (schápka Monomácha).

 

Sicherheit
In westlichenMedien wird in der Frage der persönlichen Sicherheit von Ausländern inRussland oft maßlos übertrieben. Verhalten Sie sich so, wie Sie sich inDeutschland oder in anderen Ländern auch verhalten würden. Achten Sie aufBahnhöfen, Flughäfen oder in der U-Bahn und im Gedränge auf Ihre Dokumente,Wertsachen und besonders auf Ihren Pass. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. beiReisen nach Dagestan, Inguschetien oder einige andere transkaukasischeGebiete), gilt Russland nicht als Land mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko fürwestliche Ausländer.

 

Smalltalk
Smalltalk istin jeder Kultur der Schmierstoff für den Aufbau und die Pflege von Beziehungen.In der russischen Geschäftskultur sind Smalltalk-Phasen häufiger und länger alsin der deutschen. Neben den üblichen Themen (Wetter/Klima; die Anreise nachRussland; Ihre Unterbringung im Hotel; der allgemeine Eindruck, den Sie vonRussland haben; Freizeitaktivitäten; große Sportereignisse (z.B. Fußball-WM,Olympische Spiele); Kunst und Kultur; Theater-, Opern- oder Ausstellungsbesucheetc.) werden häufiger als anderswo auch persönlichere Fragen gestellt (z.B. „Woleben Sie in Deutschland?“, „Haben Sie ein eigenes Haus?“, „Welches Auto fahrenSie?“„Haben Sie Kinder?“, „Als was arbeitet Ihre Frau/Ihr Mann?“ etc.). InEinzelfällen kann es immer noch vorkommen, dass man Sie direkt nach der Höhe IhresGehalts fragt. Versuchen Sie diese Fragen gelassen zu nehmen und sie sodetailliert zu beantworten, wie Sie es für richtig halten. Sollten die Fragenallzu persönlich werden, versuchen Sie das Gespräch vorsichtig in eine andereRichtung zu lenken - z.B. indem Sie Ihrem Gesprächspartner eine Frage stellenzu seiner Person oder zu irgendwelchen Dingen, die Ihnen im Alltagslebenaufgefallen sind.

 

Statussymbole
Zum Image einesrussischen Unternehmers gehört oft ein großes Auto (Mercedes, Audi oder BMW oderein exotischer Jeep), ein überdimensioniertes Wohnhaus, Skiurlaub in den Alpenoder Urlaub in den USA und eine reich mit Schmuck und Pelzen behangene Gattin.Kurz gesagt – man zeigt, was man hat. Vornehmes „Understatement“ und übermäßigeBescheidenheit im Auftreten westlicher Partner werden von russischenGeschäftsleuten oft missverstanden und leicht als Mangel an geschäftlichenErfolg interpretiert. Wer ernst genommen werden will, sollte nicht völligdarauf verzichten, seinen russischen Partner – neben einem überzeugendenAngebot oder einer gewinnträchtigen Geschäftsidee – durch persönlichenWohlstand (und materiellen Erfolg) von sich zu überzeugen.

 

Stockwerk
Im Russischenzählt das Erdgeschoss als 1. Etage, dementsprechend ist bei russischen Etagenangabenimmer +1 zu rechnen.

 

T

 

Tamada
KeinFamilienfest, keine Hochzeit, kein offizielles Bankett finden ohne Tamadastatt. Der Tamada ist ein Tischmeister, der das Geschehen an einer Festtafeloder bei einem Bankett lenkt und Trinksprüche ausbringt. Der Begriff stammt ausdem Georgischen. Der Tamada wird vor oder zu Beginn des Festes oder Bankettsgewählt (bei Festen im Familienkreis ist es üblicherweise derGastgeber/Hausherr). Er bringt selbst Trinksprüche aus und legt die Reihenfolgefest, nach der er die Gäste auffordert ihrerseits Trinksprüche ausbringen. DerTamada muss nicht nur selbst ein guter Trinker sein und über ein breites Repertoirean Trinksprüchen verfügen; er sollte auch intelligent, eloquent, schlagfertigund mit Sinn für Humor ausgestattet sein, um die Gäste gut zu unterhalten undeine dem Anlass entsprechende Atmosphäre an der Festtafel zu schaffen.

Telefonieren
Die Versorgungsdichteist noch immer geringer als in Deutschland, darum sind Telefone oft besetzt.Die Grundgebühr ist verhältnismäßig teuer. Bei Benutzung der Amtsleitung vonROSTELEKOM kostet das Gespräch nach Deutschland etwa 40 Cent pro Minute. Jedochgibt es sowohl in Deutschland als auch in Russland ein breites Angebotpreisgünstiger Alternativen, die meist über Dial-Around-Systeme funktionieren.In Russland kann man entsprechende Wertkarten in fast allen Supermärkten undvielen Kiosks erwerben; diese können sowohl vom russischen Festnetz (beiVorhandensein von Tonwahl bzw. einer Umschaltmöglichkeit auf Tonwahl) als auchvom Mobiltelefon (mit russischer Sim-Karte) aus verwendet werden. Die Vorwahlnach Deutschland ist in der Regel 8 Ton 1049 (Ländervorwahl ohne „0“); dieLändervorwahl von Russland ist 007. Während der russischen Feiertage istTelefonieren mit und in Russland eine kleine Herausforderung, da die Leitungenständig überlastet sind.

 

Trinkgeld
Trinkgelderwerden üblicherweise in Höhe von 5 bis 10% des Rechnungsbetrages erwartet.

 

Trinksprüche
Das Trinkenhochprozentiger alkoholischer Getränke ohne Ausbringen eines Trinkspruchs wirdnach russischem Verständnis nicht einfach als kulturlos angesehen, sondern als„Saufen“ schlechthin. Egal ob es sich um einen kleinen (privaten odergeschäftlichen) Umtrunk mit Freunden, Kollegen; Geschäftspartnern nachFeierabend oder um eines der traditionellen Familienfeste (Hochzeit,Kindstaufe, Begräbnisse etc.) handelt – es wird nicht einfach nur angestoßen.Das Ausbringen eines Toasts ist ein unbedingtes „Muss“. Traditionell hält mansich bei der Wahl der Trinksprüche an eine festgelegte Reihenfolge: der ersteTrinkspruch wird entweder auf den Gastgeber und seine Familie (bei einemprivaten Umtrunk) oder auf das Gelingen eines gemeinsamen Vorhabens, Projektesetc. (bei einem geschäftlichen Umtrunk) ausgebracht. Der zweite Toast gilt denAnwesenden und der dritte Toast den Vertreterinnen des schönen Geschlechts(dabei trinken die Männer stehend, die anwesenden Damen dürfen sitzenbleiben;alle sollten ihr Glas jedoch auf ex leeren). Der vierte Toast gilt oft denen„auf See“, d.h. den weit Abwesenden. Der Inhalt der weiteren Trinksprüche hängtstark vom Zweck des Beisammenseins und von den Anwesenden ab. Übliche Themenfür Trinksprüche, sind z.B.: Frieden, Freundschaft, Heimatverbundenheit, derStolz auf das eigene Land, Gesundheit, gutes Gelingen etc. Zum Ende einesBeisammenseins verfügt das Russische über eine Reihe fester Trinksprüche, dieeinerseits dazu dienen das Fest noch ein wenig fortdauern zu lassen,andererseits den Gästen unmissverständlich klarmachen, dass es langsam Zeitwird aufzubrechen. Üblicherweise legt der Tischmeister (F Tamada) die Reihenfolge fest, in derdie Gäste zum Ausbringen eines Trinkspruchs aufgefordert werden. Sollten Sievon Ihrem russischen Partner zu einem Bankett oder gar privaten Fest eingeladenwerden, tun Sie gut daran sich im Vorfeld einen passenden Trinkspruch zuüberlegen.

 

U

 

Ukáz (im Deutschenauch Ukas)

Bei einem Ukas handeltes sich um einen Erlass (häufig des Präsidenten oder Gouverneurs einesGebietes). Begriffe mit ähnlicher Bedeutung sind im Deutschen „Anordnung“,„Verordnung“ oder „Dekret“. In der Alltagssprache bedeutet die Umsetzung einerEntscheidung „per Ukaz“ eine Anordnung „von oben“, die de factoGesetzescharakter hat. Management by Ukaz steht dementsprechend für einenautoritären Führungsstil. (Siehe Anlage!)

 

Umgang mit Behörden

ImInternet finden sich kaum Ansprechpartner und deren Kontaktdaten. Auchwenn E-Mail inzwischen die übliche Form der operativen Geschäftskommunikationist, sind die Mailadressen von Entscheidungsträgern in Behörden nur in denseltensten Fällen freigegeben.

Große Behörden habenoft noch immer wechselnde E-Mail Adressen (z.B. doc@gubernator.nnov.ru; reference@adminvro.ru). Es gibt keinestandardisierte Registratur und Postverteilung. Dokumente, die aus Deutschlandüber Fax vom Computer nach Russland gesendet werden, kommen selten oder nie an,da unterschiedliche Modulationssysteme verwendet werden. Sie sollten deshalbstets den Eingang Ihrer Nachrichten beim Empfänger durch Kontrollanrufe prüfen.Notieren Sie sich Vor- und Vatersnamen des Gesprächspartners am Telefon;wechseln Sie ein paar nette Worte bevor Sie auf den Grund Ihres Telefonats zusprechen kommen.

 

Unterschrift
Sowohl inDeutschland als auch in Russland dient die handschriftliche, eigenhändigeNamenszeichnung unter ein Dokument zur Legitimation von Rechtsgeschäften.Anders als in Deutschland, wo durch die Unterschrift sowohl die Schriftform alsauch der Urkundencharakter gewahrt werden (s. §26, Abs. 1, BGB), gilt dieUnterschrift in Russland jedoch nicht als Identitätsnachweis. Führerscheine,Pässe, Ausweise etc. können nach russischem Recht in jedweder Formunterzeichnet werden (z.B. mit Phantasienamen). Das erklärt die herausragendeBedeutung des Stempels beim Abschluss von Rechtsgeschäften.

 

V

 

Verabschiedung
Wie auch beider Begrüßung ist der Handschlag die übliche Form der Verabschiedung imGeschäftsleben. Wiederum sollten Frauen die Initiative ergreifen und ihren(männlichen) Geschäftspartnern die Hand zur Verabschiedung reichen, wenn sieWert auf einen Händedruck legen. Im privaten Bereich (unter Familienmitgliedernund Freunden) verabschiedet man sich dagegen – wie in Westeuropa auch – oft miteiner Umarmung und/oder einem Wangenkuss.

 

Verkehrsverbindungen
Auch wennRussland heute „nur noch“ knapp 80% des Territoriums der früheren Sowjetunionumfasst, handelt es sich mit insgesamt 17.098.246 Quadratkilometern noch immerum den größten Flächenstaat der Welt – etwa so groß wie Australien und Europazusammen, knapp 48 Mal so groß wie Deutschland. Mit etwa 143 MillionenEinwohnern zählt das Land zugleich zu den am dünnsten besiedelten Ländern derWelt. Diese geographischen Besonderheiten haben dazu geführt, dass dieHauptverkehrskorridore des Landes strahlenförmig von und nach Moskau verlaufen– ganz gleich, ob es sich dabei um den Luft-, Schienen- oder Straßenverkehrhandelt. Die praktische Folge für Reisende ist, dass „alle Wege über Moskauführen“. Die 13 Millionen-Einwohner-Stadt Moskau ist das wichtigsteVerkehrsdrehkreuz des Landes. Anders als in westeuropäischen Hauptstädten, gibtes nicht den Hauptbahnhof, sondern insgesamt 9 Fernbahnhöfe, die nach derRichtung, in/aus der die Züge verkehren, benannt sind (z.B. Kiewer Bahnhof,Weißrussischer Bahnhof, Leningrader Bahnhof, Kursker Bahnhof, Rigaer Bahnhofusw.). Moskau besitzt darüber hinaus 3 internationale Flughäfen (Domodedowo,Scheremetjewo und Wnukowo), die alle von Deutschland aus angeflogen werden,sowie 3 Binnenhäfen.

Der zeitnahe Transferzwischen (nach russischen Maßstäben) nahe beieinander liegendenGebieten/Regionen stellt – insbesondere im Winter – häufig eine logistischeHerausforderung und einen ernstzunehmenden Zeit- und Kostenfaktor dar. Oftreist man schneller (und zudem verlässlicher und sicherer), wenn man einen„kleinen“ Umweg von 1000-2000 km in Kauf nimmt und über Moskau fährt/fliegt,als den (der Karte nach) kürzesten Weg zu wählen. Die Frequenz der Zug- undFlugverbindungen von und nach Moskau ist hoch (auch wenn aufgrundquasimonopolistischer Marktstrukturen bei Bahn und Luftverkehr die Preise fürein Ticket häufig deutlich über denen für internationale Verbindungen liegen).

 

Verwaltung
Die russischeAusprägung der Marktwirtschaft ist noch immer stark dirigistisch, mit eineraufgeblähten, wenig transparenten, ineffektiven und korruptionsanfälligenöffentlichen Verwaltung. Auch die russische Regierung hat den Zustand deröffentlichen Verwaltung als eines der wichtigsten Modernisierungshindernissefür die Wirtschaft identifiziert. Nach endlosen Verwaltungsreformen in derVergangenheit (die häufig im Sande verliefen oder dazu führten, denVerwaltungsapparat immer weiter aufzublähen) unternimmt Russland seit etwa 2-3Jahren erhebliche Anstrengungen Transparenz und Effizienz der öffentlichenVerwaltung endlich zu verbessern. Besonders in den Bereichen Investitionsförderung/Unternehmensansiedlungsind erste positive Ergebnisse zu verzeichnen. Das betrifft beispielsweise denAufbau von – rechtlich selbständigen – Entwicklungsagenturen (in etwavergleichbar mit Wirtschaftsfördergesellschaften in Deutschland), die Einführungdes „One Window“-Prinzips, die Verkürzung von Genehmigungs- undBearbeitungsfristen, die Kürzung der Liste genehmigungspflichtiger Geschäfte,die Vereinfachung der Formalitäten für die Gründung russischer juristischerPersonen u.v.a.m. Nichtsdestotrotz hat das Verhältnis der jeweiligen Regional-oder Gebietsverwaltung zu einem geplanten Investitionsprojekt noch immer einenmaßgeblichen Einfluss auf dessen langfristigen Geschäftserfolg. Überzeugen Siesich deshalb vorher, ob Sie in der von Ihnen favorisierten Region willkommensind; knüpfen Sie frühzeitig Kontakte zur jeweiligen Gebiets- oderRegionalverwaltung.

 

Verwaltungsgerichtsbarkeit
Es gibt inRussland keine eigenständigen Verwaltungsgerichte. GegenVerwaltungsentscheidungen kann unter Anrufung eines sogenanntenArbitragegerichts vorgegangen werden. Die Entscheidungen der Arbitragegerichtemüssen durch ordentliche Gerichte bestätigt werden, um vollstreckt werden zukönnen.

 

Visa
Die Ein-, Aus-und Durchreise durch Russland benötigten deutsche Staatsbürger ein Visum.Dieses muss vor Reiseantritt beschafft werden. Es wird zwischen Touristenvisa(Visa für Besuchsreisen) und geschäftlichen Visa unterschieden. Neben demVisaantrag müssen ein gültiger Reisepass, eine Einkommens- oderVerdienstbescheinigung, eine Garantieerklärung über die Rückkehrwilligkeit undeine von den russischen Konsulaten anerkannte Auslandskrankenversicherung sowiezwei Passfotos vorgelegt werden. Für Geschäftsvisa (einmalige Einreise odermehrmalige Einreise/Jahresvisum) wird eine offizielle behördliche Einladung (imOriginal) benötigt, die der russische Geschäftspartner beantragt Zudem musseine Bestätigung des Arbeitgebers (bzw. bei Selbständigen der Nachweis über dieeigene Firma) vorgelegt werden. Die übliche Bearbeitungszeit beträgt 15-20Werktage, für Notfälle kann ein Expressvisum beantragt werden, das innerhalbvon 1-3 Arbeitstagen erteilt wird. Seit November 2012 gibt es in Berlin,Frankfurt, Bonn, München, Leipzig und Hamburg das „Russische Visazentrum in derBundesrepublik Deutschland“; bei diesen kann die Beantragung online erfolgen.

 

Visitenkarten
Anders als nochvor wenigen Jahren entsprechen Visitenkarten russischer Geschäftspartner heuteweitgehend internationalen Standards: sie geben die korrekte Bezeichnung desUnternehmens und der Position des Karteninhabers an; sie sind zweisprachig(russisch und englisch); oft werden auch Mobilfunknummern angegeben.Positionsbezeichnungen entsprechen stärker als früher internationalen Standards(z.B. Training Manager, Sales Director, CFO, Senior Technologist etc.).Zunehmend weniger Visitenkarten erinnern an den „Schick“ der 90er/00er Jahre –Visitenkarten mit phantasievollen Stellenbezeichnungen in Gold- oderSilberschrift auf dunklem Untergrund, das Ganze laminiert und in frei wählbarenAbmessungen.

 

Vorstellung
Allgemein giltfür die Vorstellung, wie auch für Begrüßung und Verabschiedung, dass die damitverbundene Etikette weitgehend denen in anderen westeuropäischen Kulturenentspricht. Die russische Etikette beantwortet Fragen, wie „wer wird wem zuerstvorgestellt?“ oder „wer stellt wen zuerst vor?“ im Prinzip genauso wie etwa diedeutsche oder englische Etikette. Allerdings gibt es einige Aspekte derVorstellung, hinsichtlich derer sich Deutsche und Russen unterscheiden. So werdenFrauen bei der Vorstellung unabhängig von ihrem Alter, wie „höher Gestellte“oder „Ältere“ behandelt – d.h. man stellt ihnen zuerst die Anwesenden vor,danach werden sie vorgestellt. Eine Frau und ein älterer Mann sind hingegenrangmäßig gleichgestellt – das Prinzip kann hier durchbrochen werden.

Ist es in Deutschlanddurchweg üblich, sich bei der Entgegennahme eines Telefongesprächs namentlichzu melden (also mit der Firmenbezeichnung und/oder dem Familiennamen), so istdies in Russland nicht unbedingt der Fall. Anstelle einer Vorstellung bekommtman häufig ein kurzes „Hallo?“ (russ. alló?), ein „Ja?“ (russ. da?) oder ein„Ich höre?“ (russ. slúschaju was?) zu hören. Ruft man umgekehrt selbst jemandenan, und handelt es sich dabei nicht um das erste Mal, also um jemanden, den manbereits kennt, so wird es nicht unbedingt als unhöflich gewertet, denjenigensofort zu verlangen, ohne sich selbst erst vorzustellen – also z.B. „Könnte ichbitte Andrej Iwanowitsch sprechen?“ (russ. Andreja Iwanowitscha mozhno,pozhalujsta?). Allerdings gilt auch für die Vorstellung am Telefon: in dergeschäftlichen Kommunikation übernehmen immer mehr russische Unternehmen dieinternational üblichen Gepflogenheiten.

 

W

 

Wálenki
Wálenki sindtraditionelle russische Winterstiefel aus Filz. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt „hergestellt durchFilzen“. Wálenki bestehen ausschließlich aus Filz und sind deshalb nichtwasserdicht, sie verfügen über keine Sohle oder Profil. Deshalb werden siemeist mit Galoschen getragen. Durch ihrehervorragende Wärmedämmung gehören die Wálenki zu den wenigen Stiefeln, die fürTemperaturen unter −30 Grad Celsius geeignet sind. In der russischen Stadt Myschkin existiert einWálenki-Stiefelmuseum.

 

Warteschlangen
Dieberühmt-berüchtigten, früher allgegenwärtigen Warteschlangen (mit denen jederReisende gleich nach der Einreise, bei der Passkontrolle auf deminternationalen Flughafen Moskau Scheremetjewo Bekanntschaft schließen konnte)gehören glücklicherweise endgültig der Vergangenheit an. Nur noch selten bietetsich dem Reisenden heute Gelegenheit, seine Ausdauer und Geduld in einerWarteschlange zu schulen. Neben vollen Regalen in Geschäften und Shopping Mallsist es vor allem das sich ständig verbessernde Dienstleistungsangebot, das dieWarteschlangen zu einem Relikt der Vergangenheit werden lässt. Dienstleisterwerden zunehmend kundenfreundlicher – auch wenn gelegentliche Rückfälle in dieZeit der „Dienstleistungswüste Sowjetunion“ ab und zu noch vorkommen. SolltenSie dennoch einmal die Gelegenheit haben in einer Schlange mit Russen irgendwoanstehen zu müssen, werden Sie schnell drei Dinge feststellen: erstens, dieSchlange ist gar keine Schlange (sondern eher ein „Haufen Wartender“; zweitens,Russen empfinden weit weniger Unbehagen als Deutsche dabei, einem Fremden „aufdie Pelle zu rücken“ (oder wenn man ihnen selbst in einer Wartesituationkörperlich nahekommt) und drittens tendiert eine „echte russische Wartschlange“dazu mit fortdauernder Wartezeit eher länger statt kürzer zu werden – weil dievor einem Wartenden häufig die Funktion eines Platzhalters für andereübernehmen.

 

Werbung
Ähnlich wie inWesteuropa, ist B2C Werbung auch im russischen Alltagsleben allgegenwärtig – obals Fernsehwerbung, Außenwerbung, in Form von Werbeanzeigen in Printmedien, alsFlyer oder im Internet. Russische Werbekampagnen internationalerMarkenhersteller (wie. z.B. L’Orèal oder Gillette) ähneln meist stark denen,die auch über westeuropäische Fernsehbildschirme flimmern, sie werden lediglichins Russische übersetzt. Allerdings verzichten westliche Hersteller in Russland– anders als beispielsweise in Deutschland - auf den übermäßigen Gebrauch vonAnglizismen. Im Nahrungsmittelsektor setzen internationale Unternehmen wieDanone oder Unilever dagegen stark auf eine „Russifizierung“ ihrer Werbung.Werbespots für Nahrungs- und Genussmittel thematisieren typisch russischeVerbrauchergewohnheiten, wie z.B. die Zubereitung traditioneller Gerichte nachHausmacherart oder den „exzessiven“ Gebrauch von Mayonnaise. Um den Erwartungendes Durchschnittsverbrauchers zu entsprechen, werden „traditionelle russische“Werte thematisiert – z.B. die Frau in ihrer Rolle als Hausfrau (Köchin) undMutter, das gesellige Beisammensein mit der Familie oder Freunden auf derWochenenddatsche oder die Rolle der Großeltern bei der Erziehung der Enkel.Außenwerbung auf Anzeigetafeln kann dagegen – zumindest in den urbanenBallungszentren - überraschend frisch, ja sogar frivol und provokativ sein.

 

Wodka
Im Westen sind die Begriffe „Wodka“ und „Russland“ ebenso eng miteinander verknüpft, wie„Bier“ und „Deutschland“ – wobei es in beiden Fällen Stimmen aus dem Ausland gibt, die die Herkunft des jeweiligen Getränks als festen Bestandteil der eigenen Nationalkultur reklamieren (beim Wodka sind es die Polen, beim Bier dieTschechen). Die Bezeichnung Wodka bedeutet wörtlich übersetzt „Wässerchen“; sie kam im 14.-15. Jahrhundert langsam in Gebrauch. Beim russischen Wodka handelt es sich um eine meist farblose, hochprozentige Spirituose, die nach russischem„Reinheitsgebot“ (GOST-R Zertifizierung) einen Alkoholgehalt zwischen 40 und 45Volumenprozent haben muss und meist auf der Basis von Getreide (Roggen oderWeizen) hergestellt wird. Russland ist heute (nach den USA) der zweitgrößteWodkaproduzent der Welt. Trotz sich langsam wandelnder Trinkgewohnheiten, ist der hohe Wodkakonsum – vor allem in den ländlichen Gebieten – noch immer alsHauptursache für eine Vielzahl sozialer Probleme verantwortlich zu machen (z.B.die signifikant geringere Lebenserwartung russischer Männer (im Vergleich zuden Frauen), die hohe Zahl von Verkehrs- und Arbeitsunfällen unter Alkoholeinfluss, Kriminalität, häusliche Gewalt etc.). Es gab deshalb inverschiedenen Epochen Versuche der russischen Regierung den Alkoholkonsum durchprohibitive Maßnahmen einzuschränken (z.B. zwischen 1914 und 1925 oder – unterGorbatschow – zwischen 1985 und 1991). Auch heute gelten für einzelneFöderationssubjekte, z.B. Jakutien (Sacha) und Dagestan über die föderaleGesetzgebung hinausgehende Beschränkungen für den Vertrieb und Konsum hochprozentiger alkoholischer Getränke.

 

Z

 

Zeitunterschied
Im Jahr 2011fand in Russland die letzte Zeitumstellung statt. Nachdem die Uhren im März2011 um eine Stunde vorgestellt wurden, lebt Russland jetzt immer nach derSommerzeit. Dementsprechend entspricht der Zeitunterschied zwischen Deutschlandund Moskau im Winter MEZ +3 und im Sommer MEZ +2 Stunden.

 

Zeitzonen
Bis Frühjahr2010 erstreckte sich Russland über 11 Zeitzonen. Durch Präsidentenerlass wurdenzwei Zeitzonen gestrichen. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Zeitzonerichtet sich nicht nach Längengraden, sondern nach Verwaltungsgebieten.Üblicherweise gibt es in einer administrativen Einheit eine Zeitzone, damitsich alle Städte und Ortschaften an der dortigen Gebietshauptstadt orientierenkönnen. Keine Regel ohne Ausnahme: so erstreckt sich Jakutien (Sacha) inNordsibirien aufgrund seiner Größe über drei Zeitzonen.

 

 

Anlage:

Befehl Peters desErsten über Qualität

 

УКАЗ (Befehl)

Ich befehle, denBesitzer der Tulaer Waffenfabrik, Kornil Beloglasow, auszupeitschen und zur Arbeit ins Kloster zu schicken, da er, dieser Schurke, sich erdreistete, denTruppen des Herrschers untaugliche Büchsen und Gewehre zu verkaufen.

Der Oberkontrollierer Frol Fuks ist auszupeitschen und nach Asow zu verbannen, da er untauglicheWaffen mit seinem Prüfzeichen versah.

Der Waffenkanzleiwird befohlen, von St. Petersburg nach Tula umzusiedeln und Tag und Nacht die Herstellung zu überwachen.

Mögen die Waffenmeister und Gehilfen aufpassen, wie die Kontrollierer die Prüfzeichen stempeln.

Kommen Zweifel auf,ist die Waffe durchzusehen und durch Schießen zu prüfen. Mit zwei Waffen ist jeden Monat solang zu schießen, bis sie unbrauchbar geworden sind.

Kommt in den Truppenwährend des Gefechts ein Ausfall durch Unachtsamkeit der Waffenmeister und Gehilfen vor, sind sie gnadenlos auf den nackten Hintern auszupeitschen. Der Besitzer erhält 25 Peitschenhiebe und hat einen Tscherwonez Strafe je untaugliche Waffe zu zahlen.

Der Oberkontrolliererist bis zur Bewußtloßigkeit zu prügeln. Der Oberwaffenmeister ist zum Unteroffizier zu degradieren.

Dem Gehilfen ist der sonntägliche Wodka für ein Jahr zu entziehen.

Dem neuen Besitzerder Waffenfabrik, Demidow, befehle ich, den Waffenmeistern und Gehilfen Hüttenzu bauen, nicht schlechter als die des Besitzers. Sind sie schlechter, Demidow möge nicht beleidigt sein, so befehle ich, ihn hinzurichten.

 

Peter der Erste

11. Januar 1723